Preisverleihung

Jeans statt Abendkleid

Die Schauspielerin Julia Richter hält nicht viel vom schönen Schein der Filmbranche

Nicht alles, was beim Oscar glänzt, ist Gold. Das weiß Julia Richter aus eigener Erfahrung. "Was einige Damen betreiben, um schmerz- und schwitzfrei den Oscar zu erleben, ist schon fragwürdig", erzählt sie. Botox unterm Arm und in den Füßen seien keine Seltenheit, weiß die Schauspielerin. Sie sitzt im Hotel "The Weinmeister", trägt Jeans und T-Shirt, und ihre Stirn kräuselt sich entsetzt beim Wort "Botox". Es ist schön anzusehen, wie sich ihre Gefühle im Gesicht widerspiegeln - im Gegensatz zu den meisten Hollywood-Stars.

Diesen Februar wurde der Schauspielerin die große Ehre zuteil, als eine der wenigen Deutschen zur Oscar-Verleihung gehen zu dürfen. "Das war schräg, verrückt und einzigartig", schwärmt die 41-Jährige. Gemeinsam mit Kollege Wotan Wilke Möhring war sie mit dem Kurzfilm "Raju" für den wichtigsten Filmpreis nominiert und flog nach Los Angeles - ihre erste Reise in die USA. "Der Glamour, die Perfektion und die Begeisterung der Amerikaner für dieses Event ist mehr als beeindruckend", sagte sie. Doch die glamouröse Preisverleihung warf auch Probleme auf, denn die bodenständige Richter ist kein Fan vom "Aufbrezeln". "Ich habe viel über Äußerlichkeiten gelernt", gesteht Richter lachend. Das Strahlen auf dem roten Teppich absolvierte sie dann jedoch gekonnt und genoss es durchaus, in Reichweite von Hollywoodstars wie George Clooney vor den Kameras zu stehen. Dabei interessiert die gebürtige Pankowerin das Schaulaufen der Eitelkeiten gar nicht. "Glamour ist nicht meine Welt. Ich will schauspielen." Und das schon als Kind. Mit zehn Jahren stand sie mit der DDR-Kultfigur Clown Ferdinand im Friedrichstadtpalast auf der Bühne. Später nahm sie eine Rolle in der Serie "Freunde fürs Leben" an, machte Karriere beim Film. Am heutigen Freitag ist sie in der Komödie "Ganz der Papa" (20.15 Uhr, ARD) zu sehen.

Julia Richter will in der Welt aus Schein und Sein die Bodenhaftung nicht verlieren. "Saufen oder mit Kollegen auf Partys gehen ist nicht mein Ding." Lieber trifft sie sich mit den "ganzen Weibern", die sie aus der Schulzeit kennt, kümmert sich um ihren fünfjährigen Sohn Oskar oder arbeitet an ihrem ersten Kurzfilm "Festes Froh". "Ich kann mich nicht verbiegen", sagt sie. Vielleicht hat sie es gerade deshalb zum Oscar geschafft.