Herr Stubbe will nicht mehr

Wolfgang Stumph hört als ZDF-Kommissar auf - und wechselt für seinen aktuellen Film schon mal die Seiten

Vielleicht ist es bereits eine Art des Abschiednehmens. Von einer Rolle, die ihn seit mehr als 15 Jahren begleitet. Als liebenswerter Kommissar Stubbe wurde Wolfgang Stumph im ZDF-Krimi "Von Fall zu Fall" zum Quotengaranten. Doch 2013 soll Schluss sein, der 66-Jährige schickt seine Filmfigur in Rente - freiwillig. So bleibt Zeit für Neues. Eine Chance für Veränderungen, die der Schauspieler jetzt für sich nutzen möchte.

Am heutigen Donnerstag bewegt er sich daher in der Satire "Bankraub für Anfänger" (ZDF, 20.15 Uhr) auf unbekanntem Terrain - auf der anderen Seite des Gesetzes. Er spielt einen Bankangestellten, der sein eigenes Kreditinstitut überfällt, weil er nicht länger mit ansehen möchte, wie die Bank das Geld ihrer Kunden verspekuliert. Und bleibt dabei einem gewissen Typ treu: Dem des kleinen Mannes, der seine Systemkritik mit einfachen Worten äußert. Seit seinen Anfängen im Kabarett Herkuleskeule in Dresden haftet Wolfgang Stumph dieses Image an. Wohl auch, weil es ihm im Privaten entspricht. "Den Spatz in der Hand oder die Taube auf dem Dach - für mich war immer Ersteres wichtiger", sagt er etwa. Das schnelle Geld, das habe ihn nie gereizt. Seine Karriere baute er nach einer staatlichen Schauspielausbildung in der DDR behutsam auf. In den 80er-Jahren manifestierte er in Gunther Emmerlichs "Showkolade" seinen Ruf als Mann aus dem Volk, 1991 gelang ihm mit "Go Trabi Go" im wiedervereinigten Deutschland der Durchbruch. Heute ist er dankbar für die stete Weiterentwicklung, die er durchlebt hat. Die Tendenz zur Rastlosigkeit und Konsumhatz in der Gesellschaft bereitet ihm Sorge.

"In einer Zeit, in der sich alles rechnen muss und die Werbung uns suggeriert 'Geiz ist geil' ist die Gier nicht weit und ein kluges Nachfragen angebracht", meint er. Als DDR-Bürger habe er den verantwortungsvollen Umgang mit Geld gelernt. "Früher hat man sich dreimal überlegt, mit welcher Ware man gegen eine andere tauschen kann." So sei er damals "sehr sparsam und sehr klug" mit diesen Dingen umgegangen. "Das verlernt man nicht." Doch möchte er deshalb nicht als der "Vorzeige-Ossi" wahrgenommen werden, der sich nicht um sein Gespartes, den Arbeitsplatz oder den Benzinpreis sorge.

Allerdings: "Geldsorgen wachsen mit dem Anspruch, das Glück hänge nur vom Gelde ab." Für ihn ist das Wertvollste in seinem Leben ohnehin unbezahlbar: Seine Frau Christine, mit der er seit 42 Jahren verheiratet ist, seine beiden Kinder Thomas und Stephanie, die ebenfalls als Schauspielerin arbeitet ("Der Turm"). Bei ihnen legte er sogar seine gelernte Sparsamkeit beizeiten ab. "Geben ist seliger denn nehmen", sagt Wolfgang Stumph. Was wiederum eines voraussetze: Dass es etwas zu geben gibt.