Produzentin

Alice im Wunderkinder-Land

Die Tochter von Artur Brauner ist selbst erfolgreich im Filmgeschäft - und für eine "Romy" nominiert

Die Vergangenheit ist unübersehbar in diesem modernen Büroraum in Schmargendorf. Sie hängt großflächig an den Wänden, in Form von Plakaten mit Titeln wie "Hitlerjunge Salomon" oder "Es geschah am helllichten Tag". Legendäre Filme, jeder produziert von Artur Brauner.

Doch mischt sich vermehrt die Zukunft unter die eindrucksvolle Sammlung. Mit "So ein Schlamassel" etwa, und "Wunderkinder". Es sind die Werke seiner jüngsten Tochter, Alice Brauner. Erfolgreiche Werke, vor allem Letzteres. Ein Drama um drei Kinder, die im Nazi-Regime durch ihre Musik die Grenzen des Hasses überwinden können. International lief der Film auf mehr als 20 Festivals, beim Jewish Film Festival in Atlanta gewann er den Publikumspreis, beim Palm Springs Film Festival kam er in die engere Auswahl. Und nun vielleicht die Romy, der renommierteste Filmpreis Österreichs, der am 21. April in Wien vergeben wird. Eine "Sensation" sei das, sagt Alice Brauner. Allein die Nominierung erfülle sie mit Stolz. Und mit ein wenig Genugtuung. Beim Deutschen Filmpreis hat "Wunderkinder" es nicht einmal in die Vorauswahl geschafft. Es fehle zudem eine eigene Kategorie für Jugendfilme, bemängelt die 46-Jährige. Überhaupt: "In Deutschland muss ein Film am besten ohne Musik und unterkühlt erzählt werden. Im Ausland ist man wohl offener für Emotionen."

Sie selbst, das wird im Gespräch rasch deutlich, möchte ihre Gefühle nicht zurückhalten. Was sie denkt, das sagt sie. Selbst wenn es unbequem werden könnte. Bei der Zusammenarbeit mit ihrem Vater ist es nicht anders. Im Gegenteil. Als Geschäftsführerin leitet sie die Geschicke der CCC-Television, eines Tochterunternehmens seiner CCC-Filmkunst. "Natürlich streiten wir manchmal. Über Inhalte oder über die Herstellung eines Films", sagt sie. "Wir sind beide starke und jähzornige Charaktere. Meine Mutter ist dann unser Mediator." Selbstbewusstsein und Stolz - das seien nun mal Familienerbkrankheiten. Für die sie jedoch vor allem Dankbarkeit empfindet. Das Filmgeschäft ist nicht einfach, das Geld knapp bemessen, die Fernsehsender zurückhaltend. Da hilft auch ein großer Name nicht. "Ich bin eine Kämpferin, aber trotzdem stoße ich beizeiten an Mauern", sagt sie. "Vor allem als Frau ist es durchaus schwierig, in der Branche ernst genommen zu werden." Dennoch: Ihre Leidenschaft sei der Film. Nichts anderes könne sie sich vorstellen - nicht mehr zumindest.

Schließlich fand sie spät zum Beruf ihres Vaters. Ging lieber erst einen eigenen Weg, studierte und promovierte in Berlin, arbeitete als Redakteurin und Moderatorin. Doch Artur Brauner gab nicht auf, hoffte auf eine Fortführung seiner 1946 gegründeten Filmfirma innerhalb der Familie. Als 2005 die Produktion "Der letzte Zug" zu scheitern drohte, übernahm Alice Brauner. Der Film wurde fertiggestellt. Angst vor den übergroßen Fußstapfen, in die sie getreten ist, dem langen Schatten des Vaters, habe sie nicht, sagt Alice Brauner. Sie mache ihre eigene Projekte - sei dabei dankbar für seine Tipps. Und sein Verhandlungsgeschick. "Von ihm habe ich die notwendige Härte geerbt."

Ihre Söhne, 14-jährige Zwillinge, sind bereits mit der braunerschen Filmfaszination infiziert. "Ich hoffe, dass sie später Jura studieren", sagt Alice Brauner. Etwas Handfestes, um danach den Familienbetrieb erfolgreich weiterzuführen. Die Zukunft scheint gesichert.