Fotografie

Stark wie zwei

Fotografin Tine Acke ist die stille Beobachterin einer lauten Legende

Erst gerade wieder, im Rahmen seiner spektakulären Deutschlandtournee. Wochenlang steht sie am Bühnenrand und in der Garderobe. Hält das schillernde Leben Lindenbergs in eindrucksvollen Bildern fest. Und ist dabei selbst Teil von diesem.

Seit fast 14 Jahren sind sie ein Paar. Der Sänger mit dem Schlapphut lernte die selbstständige Fotografin und Illustratorin bereits 1993 kennen, bei einem Konzert in einem Hamburger Club. Einfach angesprochen habe er die heute 35-Jährige. Und sie? Hat sich zunächst "gewundert", abgewartet, schließlich eingelassen auf eine Beziehung zu diesem älteren Mann, der eine Hotelsuite sein Zuhause nennt und Eierlikör gurgelt. Bereuen sollte sie es nicht. Vor allem, weil es Lindenberg war, der die Hamburgerin darin bestärkte, "auf die eigene Stimme zu hören", wie sie sagt. Schon als Jugendliche habe sie gern fotografiert, nach dem Abitur allerdings zunächst Illustrationsdesign studiert. Erst durch Udo Lindenberg lernte sie, an sich zu glauben und "einfach zu machen". Er war es auch, der ihr auf einer gemeinsamen Reise nach New York ihre erste eigene Kamera schenkte, heute ein Erinnerungsstück.

Unzählige Bilder entstanden im Laufe der Zeit, manche davon sind in dem Bildband "Stark wie zwei" der Öffentlichkeit zugänglich. Es ist die Dokumentation der unerwarteten Renaissance eines deutschen Ausnahmekünstlers - und eines gemeinsames Lebens. Als Muse jedoch möchte sich Tine Acke nicht bezeichnen. "Ein schrecklicher Begriff. Wir sind zwei unterschiedliche Künstler und inspirieren uns gegenseitig", sagt sie. Das gelte gleichsam im Privaten. Sie sei ein "typischer Steinbock" - organisiert, bodenständig, mit einem festen Plan. "Das musste ich mir ein bisschen abgewöhnen. Mit Udo geht das nicht", erklärt Tine Acke, die vielleicht deshalb ihre eigene Wohnung nie aufgeben wollte. Außerdem sind da noch die charakterlichen Unterschiede. Er, der Extrovertierte im Blitzlicht, sie, die Zurückhaltende im Hintergrund. "Ich stehe ungern im Mittelpunkt", sagt sie. "Ich bin lieber ein unsichtbarer Beobachter. Dann fange ich die besten Bilder ein."

Verstecken aber muss sie sich keinesfalls. Schließlich hat sie sich längst abseits von Udo Lindenberg einen eigenen Namen gemacht. Mit Film- und Musikgrößen wie Ben Becker, Peter Maffay und Jean-Jacques Kravetz arbeitete sie bereits zusammen. Natürlich sei es mit keinem so wie mit ihm, dem Panikpräsidenten. Ihn fotografiert sie am liebsten als Silhouette. Mysteriös. Weil er sich selbst so gerne sieht. Klare Vorstellungen hat Tine Acke indes von ihrer Zukunft. An Hochzeit etwa denkt sie nicht. "Zu spießig", findet sie. Überhaupt, sie sei glücklich mit ihrem Leben. Und das scheint keine Momentaufnahme zu sein.