Schauspielerin

"Ich finde mein Gesicht total sympathisch"

Die meisten Veränderungen in ihrem Gesicht nimmt sie gelassen. "Mir passiert etwas, das vielen Frauen in meinem Alter passiert. Ich gucke in den Spiegel und finde es gut. Ich finde mein Gesicht total sympathisch."

Ihr positives Urteil kommt Esther Schweins, die Mitte April 42 wird, zwar kichernd über die Lippen. Aber so ist es nun mal. Alles, was sie sich als junge Frau zum Thema Älterwerden überlegt hat, treffe zu: "Alter und Schwerkraft werden früh genug das ihre dazu tun. Also genieß ich das mal", war ihr Motto. Und heute? "Ich gucke mir beim Spielen lieber zu. Ich muss viel weniger machen. Mir erzählt mein Gesicht mehr, Innerlichkeit und Äußerlichkeit stimmen heute mehr überein als früher." Denn das Älterwerden bringe nicht nur sichtbare Veränderungen mit sich: "Jugend strahlt vieles aus, was sie selbst noch gar nicht begreifen kann", sagt die Schauspielerin. Aus mangelnder Erfahrung könne Jugend vieles nicht begreifen. Esther Schweins sagt: "Das Attribut Leichtigkeit, dieser schwebende Zustand der Jugend, ist bei jungen Menschen oft nicht zu Hause. Mir ging es genauso. So alt wie ich mit 19 war, kann ich gar nicht mehr werden." Wieder dieses Lachen, bei dem sich ganz natürlich kleine Fältchen um Augen und Mund abzeichnen.

Die zweifache Mutter, die mit ihrem Mann Lorenzo, Tochter Mina (4) und Sohn Pau (3) überwiegend auf Mallorca lebt, redet offen über diese Themen. "Als Frau in meinem Beruf spricht man darüber." Doch nicht jede Kollegin hat das Glück, eine Figur zu spielen, die mit den Folgen einer missglückten Schönheits-OP umgehen muss. Mithilfe von Hollywood-Tapes an Stellen, wo bei Liftings üblicherweise die Haut gestrafft wird, und Gummis und Ösen im Haaransatz , an denen die Gesichtshaut nach hinten gezurrt wurde, verwandelt sie sich im 18. Fall von Donna Leon, "Schöner Schein" (ARD, 14. April, 20.15 Uhr), in eine entstellte Frau. Sie erinnert sich: "Das tat extrem weh. Nach acht Stunden halfen nur Schmerztabletten und ich war an jedem Abend dankbar, wenn ich nach den Dreharbeiten mein Gesicht zurückbekam." Sicher hat sie über die Schönheits-OPs nachgedacht. "Ich frage mich, was ein chirurgischer Eingriff im Gesicht mit meiner Emotionalität und mit der Seele macht. Davor hätte ich Angst." Andererseits, sagt sie, gebe es Methoden, das Altern aufzuhalten, denen sie durchaus etwas abgewinnen könnte: "Mesotherapie klingt für mich sehr sympathisch. Dabei werden Inhaltsstoffe unter die Haut gebracht, die die Haut nicht durch Cremes aufnehmen kann." Und bei aller Zurückhaltung gegenüber operativen Eingriffen, sagt sie: "Ich weiß nicht, wie verrückt man wird, wenn man älter wird." Dabei findet sie die Vorstellung, langsam alt und verrückt zu werden, gar nicht so schlecht. "Fragen Sie mich in ein paar Jahren noch mal."

"Ich frage mich, was ein chirurgischer Eingriff im Gesicht mit meiner Emotionalität und mit der Seele macht. Davor hätte ich Angst"

Esther Schweins, Schauspielerin