Gitta Schweighöfer

"Manchmal war ich neidisch"

Es passiert automatisch, fast unterbewusst. Wer ihr gegenübersitzt, vergleicht. Weil es so offensichtlich, so einfach ist. Die Stirn- und Nasenpartie. Dieses offene, herzliche Lachen, das alles kommt einem seltsam bekannt vor.

Gitta Schweighöfer weiß das. Sie kennt die Blicke, die Fragen, wie es ihrem Sohn denn gehe. Der Sohn, immer der Sohn. Matthias Schweighöfer, 31 Jahre, Schauspieler und Regisseur. Einer der Erfolgreichsten seiner Zunft, derzeit in dem Film "Russendisko" im Kino zu sehen. "Ich bin wahnsinnig stolz auf ihn. Wenn ich ihm zuschaue, vergesse ich manchmal, dass es mein Sohn ist, der da spielt", sagt Gitta Schweighöfer.

Sie kann es beurteilen. Schließlich hat sie selbst viel Erfahrung gesammelt, zunächst auf Theaterbühnen, seit einigen Jahren vermehrt beim Film. Am kommenden Sonnabend spielt sie an der Seite von Iris Berben und Thomas Thieme in der neuesten Folge "Trauma" der ZDF-Krimireihe "Rosa Roth". Eine Geschichte um Verrat und Vertrauen, Schuld und Schicksal. Sie selbst sei durchaus misstrauisch, sagt die 57-Jährige. "Ich beobachte erst, wahre die Distanz." Warum? Sie lacht kurz, wie zur Entschuldigung. "Entscheidend war sicherlich die Scheidung von meinem Mann. Wir mussten uns allein durchs Leben boxen." Gitta und Michael Schweighöfer, ebenfalls Schauspieler, trennen sich, als Matthias drei Jahre alt ist - ohne Schlammschlacht. Doch trägt nun sie die Verantwortung allein. Kämpft um Engagements in den Theaterhäusern der ehemaligen DDR und versucht, Kind und Karriere gerecht zu werden. "Rückblickend weiß ich kaum, wie ich das alles geschafft habe", sagt sie. Es ist eine Zeit, die Mutter und Sohn zusammenschweißt. Sie nimmt ihn mit zu Proben, zeigt ihm die Welt des Schauspiels. Je älter Matthias Schweighöfer wird, desto wichtiger ist er als Ratgeber für seine Mutter - und andersherum. 1997 hat er seine erste Rolle, in einem Film von Andreas Dresen. Es ist der Beginn einer Ausnahmekarriere. Gitta Schweighöfer ist anfangs vorsichtig, liest die Drehbücher, hält Anfragen für Interviews zurück. Um ihn zu schützen, wie sie sagt. "Er ist schnell reif geworden, hat ein paar Lebensabschnitte nicht durchlebt. Das ist ein bisschen schade." Irgendwann geht es nicht mehr, die Prominenz ihres Sohnes ist zu groß. Manchmal auch für sie. "Ich musste hart für meine Rollen arbeiten, er bekam sie reihenweise angeboten. Ja, punktuell war ich neidisch."

Nach mehr als 30 Jahren auf der Bühne versucht sie, sich im Film zu etablieren. Ein später Einstieg, der ihr trotzdem gelingt. "Der Name hat sicherlich geholfen." Die Mutter von Schweighöfer, das hört sie oft. Natürlich, es störe auch, reduziert das von ihr Erreichte auf den Ruhm des Sohnes. Zwischen ihnen aber steht es nicht. Fast noch näher gekommen sind sie sich, nicht nur durch die Arbeit, vor allem durch das Leben. Vor knapp drei Jahren kam ihre Enkelin Greta zur Welt. "Mein Oma-Dasein kann ich genießen - mit Abstand", erzählt Gitta Schweighöfer.

Zu der Trennung ihres Sohnes von seiner Lebensgefährtin Ani Schromm möchte sie nichts sagen, natürlich nicht. Sie weiß um den Fokus, in dem Matthias Schweighöfer steht. Beobachtet es mit einer Mischung aus Stolz und Sorge. Wenn sie gemeinsam in ein Restaurant gehen etwa, und Fans den Tisch in Sekunden umlagern: "Dann ist die Prominenz schon störend." Trotzdem ist es letztlich das, was beide wollen, Mutter und Sohn: Filme, Applaus, Rollen. "Ich arbeite, so lange es geht", sagt sie und ja, Existenzängste kenne sie durchaus. Zurzeit gebe es wenig Angebote, zumindest einen Auftrag aber habe sie. Für einen Kinofilm, "Der Schlussmacher" heißt er. Der Name Schweighöfer wird gut vertreten sein. Gitta Schweighöfer spielt an der Seite ihres Ex-Mannes - und ihres Sohnes.