Familie

"Modeln war nicht, was ich wollte"

Ein behütetes Elternhaus mit Bach-Chor, Geigespielen und Waldorfschule in Erlangen - Katja Weitzenböck wusste früh, dass das nicht ihr ganzes Leben ausmachen sollte. Sie wollte mehr.

Nach dem Abitur entschloss sich die heute 44-jährige Wahl-Berlinerin deshalb, die Welt zu sehen. Sie ging nach Australien. Als Frühstückskellnerin in einem Hotel in Sydney verdiente sich Weitzenböck zunächst ihren Lebensunterhalt und lernte schnell einen Schlagzeuger kennen, der sie in die dortige Kunst- und Modeszene einführte. Bevor sich die Schauspielerin versah, war sie Fotomodel, doch "das Modeln war nichts, was ich angestrebt habe", erinnert sie sich im "Café Goldapfel" in Prenzlauer Berg.

"Zur damaligen Zeit war das total abwegig für mich. Ich wusste nicht, was ein Fotomodel ist. Ich habe gedacht, die Mädchen in den Zeitschriften seien da zufällig, weil sie gerade was Nettes anhatten." Die Modewelt blieb für die junge Frau eine bizarre Kunstwelt. In den vier Jahren des Modelns fühlte sie sich "nie als geeignet, und objektiv betrachtet hatte ich nie den typischen Laufstegkörper. Ich habe Kleidergröße 40 und immer kräftige Beine gehabt." Viel mehr noch störte sie, dass sie die Verantwortung für ihr Leben an die Agenturen abgeben musste. Im Alter von 24 Jahren begann sie deshalb eine dreijährige Schauspielausbildung in Paris.

Sich wie damals durchzusetzen, fällt Katja Weitzenböck sonst nur in ihren TV-Rollen wie der der Anwältin Patricia Engel in der Fortsetzung von "Engel der Gerechtigkeit" (im ZDF am 5. April) leicht. Wenn es aber um ihre Tochter Lina Otti Petronella (8) und ihren Sohn Henry Victor Nepumuk (3) geht, vergisst sie ihre Scheu. Dann kann es schon einmal vorkommen, dass "die Löwin aus mir herauskommt. Normalerweise neige ich zu großer Höflichkeit, als dass ich mich zu verteidigen weiß."

Dass es ihren Kindern auch gut geht, wenn sie berufsbedingt nicht in Berlin ist, hat für die alleinerziehende Schauspielerin oberste Priorität: "Ich lebe ja seit zweieinhalb Jahren von dem Vater (Autor Torsten Schulz, Anm. d. Red.) getrennt. Es gibt ein gut funktionierendes System, wenn ich nicht da bin. Ich habe eine Kinderfrau, die die kürzeren Abwesenheiten abdeckt." Und ist sie länger als eine Woche unterwegs, wie demnächst für die neue ARD-Serie "Der Mediator" mit Harald Krassnitzer, "dann kommen meine betagten, aber noch sehr rüstigen Eltern aus dem Frankenland angereist und übernehmen meine Wohnung".