Familie

Windelnwechseln im Doppelpack

Sie hat ihr Publikum gut im Griff. Gebannt lauscht es ihren Ausführungen, einzig Applaus unterbricht zwischendurch die Stille. Dabei ist es keine Bühne, auf der sich Annette Frier am Montag beweist. Die Schauspielerin besucht die Weddinger Grundschule in der Müllerstraße, um mehr als 200 Dritt- und Viertklässer über ihre Rechte aufzuklären.

Spielerisch, mithilfe einer imaginären Flugreise durch Afrika, Asien und Südamerika, mit der sie auf die dortigen Probleme wie etwa fehlende Bildung hinweisen will.

Berlin ist die letzte Station im Rahmen des Projektes "Wir Kinder haben Rechte", für das sich die 38-Jährige, die vor allem als unkonventionelle Anwältin Danni Lowinski in der gleichnamigen Sat.1-Serie bekannt wurde, gemeinsam mit dem Deutschen Kinderschutzbund und Roland Rechtsschutz engagiert. Eine "Herzensangelegenheit" - zumal sie als Mutter ihrer knapp vierjährigen Zwillinge Josefina und Bruno besonders für das Thema sensibilisiert sei. "Ich war glücklicherweise noch nicht in solch einer Situation, aber für meine Kinder würde ich wirklich alles tun", erzählt Annette Frier. Wenn nötig, auch Dinge, die außerhalb des Legalen liegen. Überhaupt, das Mutterdasein habe sie sehr verändert: "Es ist für mich die größte Herausforderung, Mutter zu sein. Jeden Tag stelle ich mir wieder die Frage, was bei der Erziehung richtig ist und was nicht." Das erste Jahr nach der Geburt sei "wahnsinnig anstrengend" gewesen. Zu den Dreharbeiten kam damals Stillen und Windelwechseln, und das im Doppelpack. Mittlerweile hat sie sich zusammen mit ihrem Mann, dem Drehbuchautor Johannes Wünsche, besser organisiert. "Er kann viel von zu Hause arbeiten, zudem können meine Mutter und meine Schwestern einspringen." Die Nähe zur Familie, ein Grund mehr für die Fernsehanwältin, ihre Heimatstadt Köln nicht zu verlassen. Selbst wenn Berlin sie reize. Schließlich, sagt sie, lebe mittlerweile fast jeder Schauspieler hier. Ihren Auftritt in der Grundschule verbindet sie deshalb mit einigen Tagen Familienurlaub an der Spree. Bekannte besuchen, mit den Kindern Kreuzberg erkunden - und nebenbei Streit zwischen den Geschwistern schlichten. "Ich möchte natürlich gerecht sein, beide gleich behandeln. Manchmal gelingt mir das aber einfach nicht."

Zumal ihre Kinder natürlich ganz genau wissen, mit welchen Wünschen sie sich besser gleich an ihren Vater wenden. Die Lösung: "Mama- und Papatage", an denen jeweils ein Elternteil ein Kind übernimmt. "Mein Mann kann dann mal zum Ballett und ich zum Fußball. Und das ist doch auch was."

"Mutter zu sein ist für mich die größte Herausforderung. Jeden Tag frage ich mich, was richtig ist und was nicht"

Annette Frier, Schauspielerin