Eric Schweitzer und Heiko Schaffartzik

"Gemeinsam können wir etwas bewirken"

Diese Benefizgala ist eine Herzensangelegenheit. Bereits zum 12. Mal bat der Berliner Entsorgungskonzern Alba zur Wohltätigkeitsveranstaltung im Hotel Grand Hyatt am Potsdamer Platz.

Alba-Chef Eric Schweitzer begrüßte die mehr als 300 Gäste ohne seinen Bruder Axel . "Er kann dieses Mal leider nicht dabei sein, er ist geschäftlich in China", bedauerte Eric Schweitzer. Zeit für die Gala zugunsten krebskranker Kinder hatten sich unter anderem die Bundesminister Guido Westerwelle und Dirk Niebel (beide FDP), IHK-Hauptgeschäftsführer Jan Eder , Kulturstaatssekretär André Schmitz und KPM-Chef Jörg Woltmann genommen.

Der Erlös des Abends ging wieder an den Verein "KINDerLEBEN" unter Vorsitz von Ellen von Hartz-Geitel , der krebskranken Kindern in Berlin hilft. Die Idee stammt vom Vater der Schweitzer-Brüder. Einer, der die wertvolle Arbeit des Vereins aus eigener Erfahrung kennt, ist Alba-Basketballspieler Heiko Schaffartzik (28). Der Sportler erkrankte im Alter von 13 Jahren an Leukämie und war Patient auf der Kinderkrebsstation des Virchow-Klinikums. Mit Eric Schweitzer und Heiko Schaffartzik sprach Ines Nurkovic.

Berliner Morgenpost: Herr Schweitzer, Ihr Vater hat 1997 den Förderverein "KINDerLEBEN" mitbegründet. Wie kam es zu der Idee, sich dafür einzusetzen?

Eric Schweitzer: Mein Vater war im Virchow-Klinikum in Behandlung und sah beim Verlassen der Klinik Kinder auf Fensterbänken sitzen. Wenn mein Vater Kinder leiden sah, ist ihm immer das Herz aufgegangen. Er hat dann gefragt, wie es denn sein kann, dass im 20. Jahrhundert kranke Kinder, wie in diesem Fall krebskranke Kinder, noch auf Fensterbänken auf ihre Behandlung warten müssen. Es hieß, dass es keine Räumlichkeiten gebe. An diesem Punkt hat er beschlossen, sich darum zu kümmern, dass sich das ändert. Er hat Ellen von Hartz-Geitel kennengelernt und daraus ist die Idee entstanden, "KINDerLEBEN" zu gründen. Und wie immer, wenn die richtigen Menschen mit gleicher Zielrichtung zusammen kommen, können sie gemeinsam etwas bewirken.

Berliner Morgenpost: Was hat sich der Verein zur Aufgabe gemacht?

Eric Schweitzer: Die klare Intention war es, eine Tagesklinik für krebskranke Kinder zu errichten. Das ist auch gelungen und von diesem Zeitpunkt an haben das Unternehmen und unsere Familie jeden Anlass genutzt, den Verein zu unterstützen. In Deutschland erkranken jährlich 2000 Kinder an Krebs und noch immer können 30 Prozent nicht geheilt werden. Wenn ein Kind die Diagnose Krebs erhält, dann kann es diese Diagnose nicht verstehen - noch viel weniger als ein Erwachsener. Dieser Hilflosigkeit möchten wir etwas entgegen setzen.

Berliner Morgenpost: Was ist Ihr Ziel?

Eric Schweitzer: Unser Ziel ist es, daran mitzuarbeiten, dass irgendwann kein Kind mehr an Krebs erkrankt. Das wird uns wahrscheinlich nicht gelingen, aber wir werden sehr stark daran arbeiten, dass wir dem Ziel so nahe wie möglich kommen. In der Tagesklinik werden die Kinder von rund 30 Ärzten behandelt und es wird daran gearbeitet, die Krankheitsursachen zu erforschen. Das Besondere: Das alles geschieht mit minimalstem verwaltungstechnischem Aufwand. So ist gewährleistet, dass das Maximum der Spendengelder den Kindern zugute kommt. Und auch wenn das eine oder andere Mal eine Heilung nicht gelingt, dann versuchen wir zumindest, den Kindern die letzten großen Wünsche zu erfüllen.

Berliner Morgenpost: Gibt es einen Wunsch, an den Sie sich besonders erinnern?

Eric Schweitzer: Ich bin ein bis zweimal jährlich in der Tagesklinik. Vor zehn Jahren habe ich dort beispielsweise den siebenjährigen Max getroffen, der seit seinem dritten Lebensjahr Krebs hatte. Er hatte zu dem Zeitpunkt nur noch eine Lebenserwartung von maximal ein bis zwei Jahren und einen Riesentraum: Eine Autogrammkarte von Michael Schumacher. Mit einigen Helfern haben wir es geschafft, dass Max zwei oder drei Monate später mit seinem Vater und einem Arzt zu Schumacher nach Maranello an den Ring durfte und sich länger mit ihm unterhalten konnte. Auch wenn das leider nicht geholfen hat, seinen Kampf gegen die Krankheit zu gewinnen, so war es seinen Eltern und uns am Ende doch ein kleiner Trost, dass wir ihm diesen Traum erfüllen konnten.

Berliner Morgenpost: Warum ist es wichtig, dass sich Berliner Unternehmer sozial engagieren?

Eric Schweitzer: Jeder, der Geld verdient, zahlt Steuern. Ein Gemeinwesen muss auch Steuern einnehmen, damit es finanziert werden kann. Ich glaube aber, dass mit der Zahlung von Steuern allein nicht die Verpflichtung beantwortet ist, die man für das Gemeinwohl hat. Jeder kann sich in dem Maße, wie es für ihn persönlich möglich ist, engagieren, ob mit oder ohne finanzielle Mittel. Und was gibt es Wichtigeres als gesunde Kinder? Deshalb engagieren wir uns als Unternehmen und als Familie für KINDerLEBEN und veranstalten jährlich unsere Benefizgala.

Berliner Morgenpost: Wie, außer durch Geldspenden, kann man sich in die Arbeit des Vereins einbringen?

Eric Schweitzer: Der Verein freut sich über jeden Euro, der gespendet wird. Aber wer helfen will, kann sich auch melden, und die Arbeit dort auf andere Art unterstützen. Man kann anbieten, die Kinder zu ihrer Behandlung zu fahren, Spielzeug zu reparieren, Spielzeug zu schenken. Man kann sich mit Kindern unterhalten oder am Wochenende mit ihnen auf den Fußballplatz gehen, wenn sie das möchten und ihr Gesundheitszustand es zulässt. Helfen ist in jeglicher Form möglich, wenn man ein Herz für Kinder hat.

Berliner Morgenpost: Herr Schaffartzik: Ihr Basketballteam feiert seit 1997 jedes Jahr ein Weihnachtsfest mit den Kindern auf der Krebsstation. Das erste haben sie als 13-jähriger Leukämie-Patient selbst miterlebt. Welche Erinnerungen haben Sie daran?

Eric Schweitzer: Auf der Station wussten wir schon lange, dass das Team kommen würde, aber als uns die Spieler besucht haben, hatte ich zu starke Kopfschmerzen und konnte als einziger mein Bett nicht verlassen. Dann sind Jörg Lütcke und Henning Harnisch zu mir ins Zimmer gekommen. Das war schön.

Berliner Morgenpost: Wie haben Sie die Zeit im Krankenhaus erlebt?

Eric Schweitzer: Ich war mit meiner Mutter und meinem Vater im Büro des Arztes, als ich die Diagnose bekommen habe. Ich habe niemals daran gedacht, dass ich sterben würde, sondern daran gedacht, wann ich wieder Basketball spielen kann.

Berliner Morgenpost: Wie haben Sie das als Teenager geschafft?

Eric Schweitzer: Ich habe den Krebs behandelt wie eine Verletzung, die irgendwann verheilt. Ich war ein Dreivierteljahr in ambulanter Behandlung. Die Chemotherapie lief mit Tabletten ein weiteres Vierteljahr. Aber diese Zeit war teilweise sehr frustrierend, weil ich während der Therapie starke Schmerzen hatte.

Berliner Morgenpost: Sie haben trotzdem nicht aufgegeben.

Eric Schweitzer: Ich glaube, dass die meisten Kinder nicht ans Sterben denken. Es geht eher darum, dass sie sich extrem unwohl fühlen. Sie verlieren ihre Haare und haben Schmerzen, weil ihre Schleimhäute in Hals und im Magen zersetzt werden. Man bekommt Kortison-Tabletten, und das Gesicht quillt dadurch auf. Da hilft ein wenig Ablenkung, damit die Kinder nicht denken, dass alles schlecht ist.

Berliner Morgenpost: Beim letzten Weihnachtsfest haben Sie die Kinder als Nationalspieler auf der Station besucht. Wie war der Tag für die Kinder und Sie selbst?

Eric Schweitzer: Ich glaube, es war etwas ganz Besonderes für die Kinder, weil der ganze Raum von sehr positiver Energie gefüllt war. Die kranken Kinder zu sehen, fiel nicht allen Spielern leicht, aber jeder wusste, dass es an dem Tag um die kleinen Patienten ging. Dementsprechend haben sich auch alle verhalten. Ich würde mich freuen, wenn man solche Aktionen noch öfter machen würde.