Sibel Kekilli

Ein Mädchen mit zwei Seelen

Obwohl sie Hamburg liebt, möchte Sibel Kekilli noch weit hinaus. New York, London, Paris. "Wobei ich kein Französisch spreche und New York zu weit weg ist - also eher London", sagte die 31 Jahre alte Schauspielerin der Zeitschrift "Interview".

Ernsthafter überlege sie derzeit allerdings, nach Berlin zu ziehen. Die mögliche, bescheidene Wohnungsanzeige hat die selbst ernannte Nomadin bereits im Kopf: "Schauspielerin, 32 Jahre (sic!), sucht schöne und bezahlbare 50-Quadratmeter-Wohnung in Charlottenburg."

Ihre Geburtsstadt Heilbronn, wo sie noch vor zehn Jahren lebte, fehle ihr überhaupt nicht. Über ihr dortiges Leben, ihre Eltern, ihre Ausbildung bei der Stadtverwaltung möchte sie nicht sprechen. Auch zähle der baden-württembergische Ort "nicht zu dem, was ich unter Heimat verstehe". Heimat sei nicht ortsgebunden, sondern ein Gefühl, das ihr manchmal sogar an der Elbe fehle: "Ich bin ein Mensch, der lieber weniger Freunde hat, als dass er sich mit Menschen umgibt, die niemals wirklich wichtig sein werden", sagt die Darstellerin, die erstmals 2004 mit Fatih Akins "Gegen die Wand" öffentlich in Erscheinung trat und dafür unter anderem mit dem Goldenen Bären, dem Deutschen Filmpreis und einem Bambi ausgezeichnet wurde. "Bevor ich mich zwinge, irgendwie nett zu sein, um eine aufgesetzte Freundlichkeit vorzutäuschen, bleibe ich lieber für mich allein." Das war auch schon in der Schule so, als sie, "ein Mädchen mit zwei Seelen in der Brust", weniger mit Mädchen als mit Jungs befreundet war, weil Schminke und Shopping nicht ihr Ding waren. Mindestens eine Sache ließ sie dann aber doch ein typisches Mädchen sein: Das Poster über ihrem Bett, von dem sie Nick Carter von den Backstreet Boys anlächelte. "Ich hatte einen furchtbaren Geschmack", sagt sie heute. Mehr verrät sie nicht.

Und auch ansonsten trennt sie Privates gern vom Beruflichen, ist froh, dass man in Hamburg und Berlin ganz entspannt ist, wenn sie die Straße runter läuft. Nur wenn gerade der Kieler "Tatort", in dem sie im Oktober 2011 erstmals ermittelt hat, laufe, würden die Leute mehr schauen. Und noch öfter nach ihr umdrehen dürften sie sich vom 23. März an. Dann nämlich läuft auf RTL II die erste Staffel der US-amerikanischen Erfolgsserie "Game Of Thrones" an. Darin wird Kekilli in der neunten und zehnten Folge als Prostituierte Shae zu sehen sein. Eine Nebenrolle, die in der abgedrehten zweiten und in den USA im April anlaufenden Staffel noch mehr Bedeutung erhalten soll. Vielleicht so viel, dass ein Umzug nach Übersee bald gar nicht mehr so weit weg ist, wie von Kekilli noch gedacht.

"Ich bin ein Mensch, der lieber weniger Freunde hat, als dass er sich mit Menschen umgibt, die niemals wirklich wichtig sein werden"

Sibel Kekilli, Schauspielerin