Kino

Vereiste Stimmung bei "Zettl"-Premiere

Sie war sicherlich nicht nur den Minusgeraden geschuldet. Die teilweise eisige Stimmung auf dem roten Teppich bei der Premiere von Helmut Dietls neuem Film "Zettl" ließ sich wohl eher auf die manch harsche Kritik zurückführen, die bereits vor der Aufführung am Mittwoch im Sony Center auf den erfolgsverwöhnten Regisseur eingeprasselt war.

Aus München, wo sein Werk am Dienstag erstmals gezeigt wurde, war er angereist in jene Stadt, die im Zentrum der satirischen Gesellschaftsstudie steht, in der ein windiger Chauffeur namens Max Zettl (gespielt von Michael "Bully" Herbig) rasant Karriere macht. "Ich hoffe, die Leute verstehen endlich, dass es kein Berlin-Film ist", sagte Dietl, mühsam beherrscht, vor der Vorstellung. "Es geht um die Mitte, um die Regierungskreise." Das habe er bereits oft erklärt. Etwas umgänglicher gaben sich Dietls Darsteller. So harrte Karoline Herfurth im zarten Kleid geduldig vor den Kameras aus, schwärmte von ihren großartigen Kollegen wie Senta Berger, Harald Schmidt und Ulrich Tukur, die alle nicht in die Hauptstadt gekommen waren. "Bully" Herbig bekannte, sich "in Berlin verknallt" zu haben. Allerdings wiederholte er Dietls Worte, der Film handele nicht von Berlin als Ganzes. Zumindest stand die Szene der Hauptstadt Pate für das Werk, dessen Premiere sich auch Regisseur Tom Tykwer, Literaturkritiker Hellmuth Karasek und Schauspieler Hanns Zischler nicht entgehen lassen wollten. Monatelang verbrachte Dietl Zeit in einschlägigen Lokalen wie dem "Borchardt". Nur gefeiert werden sollte dort nach Filmende nicht - man zog für die Abschlussparty den Zollpackhof vor.