Kritik

Sophie Rois: Deutsches TV zu moralisch

Sophie Rois (50), österreichische Film- und Theaterschauspielerin ("Drei"), findet deutsche Fernsehfilme oft zu moralisch. "Rauchen ist Porno, der TV-Kommissar darf nichts mehr trinken, dafür gibt es aber möglichst viele Filme über vergewaltigte Zwölfjährige", sagte sie bei einer Gesprächsrunde mit dem Berliner Fotografen Jim Rakete (60) am Donnerstagabend im Filmmuseum Frankfurt/Main.

"Es wird dann oft versucht, irgendeine Moral rauszuquetschen. Das ist doch der reinste Tugendterror", sagte Rois.

Mehr reize sie hingegen die Rolle der Elena Ceausescu, der Frau des rumänischen Ex-Diktators Nicolae Ceausescu. Das Paar war nach einem Kurzprozess hingerichtet worden. "Das Fach der Diktatorin finde ich interessant." Rollen, die Kasse mit dem Leid von Menschen am Rande der Gesellschaft machen, lehnt sie jedoch ab. "Ich würde ungern eine slowakische Zwangsprostituierte spielen", sagte Rois.

Star-Fotograf Jim Rakete hat dagegen weniger Probleme mit Tugendhaftigkeit als mit jüngeren Kollegen. Sie fotografierten nicht so realitätsnah wie er selbst, erklärte Rakete. Das gelte besonders für Aufnahmen älterer Menschen. "Die Frauen sehen bei den jungen Fotografen so glatt aus wie Kernseife." Die Männer ähnelten hingegen "zerknitterten Straßenkarten".

Seinen Beruf hält Rakete übrigens für überschätzt: "Der ist auch nicht interessanter als andere." Insgesamt sei er auch nur mit wenigen Fotografen befreundet. Die Ausstellung "Stand der Dinge" mit Porträts von Prominenten ist noch bis 5. Februar im Filmmuseum Frankfurt zu sehen.

( BM )