Eisstockschießen

Politiker kämpfen auf glattem Eis

Der neue Berliner Senat muss bereits einige Feuerproben überstehen. Das zeigte nicht zuletzt der Rücktritt von Michael Braun (CDU), Senator für Justiz und Verbraucherschutz, der wegen der sogenannten Notar-Affäre nach nur elf Tagen sein Amt wieder aufgeben musste - und damit als Minister mit der kürzesten Amtszeit in die bundesdeutsche Geschichte eingeht. Immerhin. Die Politik ist bisweilen ein äußerst rutschiges Parkett.

Davon konnten sich auch einige Volksvertreter beim traditionellen Eisstockschießen, das am Montagabend Unter den Linden stattfand, überzeugen. Dabei konkurrierten zum zehnten Mal die Mannschaften von Senat und Abgeordnetenhaus. Bei den Senatoren traten Michael Müller (SPD, Stadtentwicklung), Sandra Scheeres (SPD, Bildung, Jugend und Wissenschaft), Heiko Melzer (Geschäftsführer CDU-Fraktion) in Vertretung für Finanzsenator Ulrich Nußbaum (parteilos) sowie Bernd Krömer an. Der Staatssekretär musste ebenfalls kurzfristig einspringen, hatte mittags erst von Frank Henkel (CDU) diesen Termin erhalten und konnte sich deshalb nur "mental" vorbereiten. Dem Innensenator war wohl aufgrund der aktuellen Ereignisse kurzfristig die Lust auf eine sportliche Auseinandersetzung mit Teilen der Opposition vergangen.

Denn beim parteienübergreifenden Team der Fraktionen schlitterten Raed Saleh (SPD), Ramona Pop (Grüne), Udo Wolf (Die Linke) sowie "Pirat" Andreas Baum über die 15 Meter lange Bahn, die aus Kunststoff und nicht aus Eis besteht.

Er sei "topfit" und traue seinem Team aus dem Abgeordnetenhaus durchaus zu, den überdeutlichen Vorjahressieg zu wiederholen, sagte Linken-Fraktionschef Wolf. 2010 wurden die Senatoren mit 14:0 abgestraft. Eine Revanche kündigte indes Sandra Scheeres an, die zum ersten Mal dabei war, während Michael Müller im fünften Jahr in Folge den Eisstock warf - und durchaus Talent aufweisen konnte. Ihre recht hohe Fehlerquote entschuldigte Grünen-Fraktionschefin Ramona Pop indes mit einem deutlichen Seitenhieb in Richtung der Regierenden: "Man kann halt nicht alles haben - schließlich hatten wir bereits einen Rücktritt, der längst überfällig war." Pfiffe der Senatoren, besonders von Seiten der CDU, folgten prompt. Die konnten zumindest noch einen Sieg verbuchen, setzten sich mit 26:14 gegen die Titelverteidiger durch.

Einen Gewinner gab es zudem bereits vor der Partie. Der Verkaufserlös des Kochbuchs "Das Gute essen", das an der Bahn erhältlich ist, kommt dem Bundesverband Deutsche Tafel zugute.