Prominenz

In aller Freundschaft

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Es ist nicht gespielt. Die Blicke, die Gesten, die Umarmungen, nichts davon wirkt künstlich. Zweifellos sind es Freunde, die in dem großzügigen Atelier in Treptow sitzen, phasenweise vor Lachen nicht mehr weitersprechen können.

Karoline Herfurth und Kilian Kerner verstehen sich, ganz offensichtlich. Dabei kennen sich die Schauspielerin und der Designer noch nicht lange, sind sich an einem Märztag dieses Jahres erstmalig begegnet. Für ein Kleid hatten sie sich treffen wollen, kurz nur, beide gestresst von ihren Jobs. Ein Pflichttermin. Es wurden Stunden daraus - und eine innige Freundschaft.

"Irgendwann stellten wir beide eine große Leidenschaft für 'Bibi Blocksberg' fest. Spätestens da war es um uns geschehen", sagt Kilian Kerner, 32 Jahre alt, während die fünf Jahre jüngere Karoline Herfurth ergänzt: "Wir haben uns einfach verknallt." Beide lächeln sich an, verschwörerisch fast. Die Vertrautheit zwischen ihnen ist spürbar - keine Selbstverständlichkeit in den Branchen, in denen sie tätig sind, oft als Spielwiesen von Egozentrikern verschrien. Selten, räumt Kilian Kerner ein, gebe es diese Form von Ehrlichkeit. "Wir sind beide echte Menschen, die sich echt begegnen und stundenlang diskutieren können", erklärt es Karoline Herfurth. Die ihre Treffen abseits des roten Teppichs schätzen. "Häufig weiß ich gar nicht, an welchem Film Karo arbeitet. Wir reden nicht viel über den Job", sagt Kilian Kerner. Zwar stattet er sie häufiger aus, für Galas und Filmpremieren - was angesichts ihrer Popularität für ihn nicht abträglich ist. Doch von einer Zweckbeziehung, das betonen sie, könne keine Rede sein: "Karo ist nicht meine Muse, ein schreckliches Wort. Sie ist die Person, die mich momentan am meisten inspiriert."

Alle paar Wochen versuchen sie sich zu sehen, leicht ist es angesichts der dichten Terminpläne nicht immer. Allerdings, so beschreibt es Kilian Kerner, sei da ohnehin ein "unsichtbares Band" zwischen ihnen - wie es bei guten Freunden meist existiert. Genauso wie eine gesunde Diskussionskultur. "Manchmal liegen wir auseinander, aber wir sind diplomatische Menschen, respektieren die Meinung des anderen", sagt Karoline Herfurth. Was ihn betreffe, erzählt Kilian Kerner, sei das einst durchaus anders gewesen. "Früher wollte ich uneingeschränkt Recht haben, konnte nicht gut mit Kritik umgehen, das hat sich mittlerweile geändert."

Einen Reifeprozess mussten wohl beide durchlaufen, schneller vielleicht, als es andere ihres Alters können. Mit 16 stand Karoline Herfurth für ihren ersten Kinofilm vor der Kamera, brillierte in "Crazy" und drehte fortan mit Regiegrößen wie Tom Tykwer . Ähnlich rasant der Aufstieg Kerners, seit 2004 mit seinem Label selbstständig - ohne je eine Modeschule besucht zu haben. "Ursprünglich wollte ich mal Schauspieler werden", sagt er. Ob es ihn reize, mit Karoline zu tauschen? "Ich hätte Lust darauf." Andersherum verhält es sich ähnlich, wobei Karoline Herfurth die kreative Arbeit nicht unterschätzt. Gern wäre sie mal bei einem Schaffensprozess ihres Freundes dabei. "Ich kann dir zumindest den Kaffee bringen." In diesem Punkt verzichtet Kilian Kerner aber auf Gesellschaft, selbst auf ihre. "Entwerfen ist körperliche Anstrengung, da möchte ich allein sein." Einsamkeit - gängige Begleiterscheinung des Erfolgs? Nein, sagen beide. Mit einer Ausnahme: "Nächte im Hotel sind furchtbar." Doch gegen Heimweh helfen Handys. Oder Bibi-Blocksberg-Kassetten.