Film

Nackte Tatsachen

Über dieses Projekt wurde viel berichtet - lange bevor die erste Klappe fiel. "Hotel Desire" heißt der neue Film von Regisseur und Schauspieler Sergej Moya (23), der am Mittwochabend im Sony Center Premiere feierte.

Für Schlagzeilen sorgte neben der Art der Finanzierung - die Produktion war durch Privatpersonen finanziert worden - vor allem der Begriff "porNEOgrafisch", mit dem der Regisseur sein Werk vollmundig angekündigt hatte. Hauptdarsteller Clemens Schick sagt rückblickend: "Ich fand es mitunter anstrengend, ständig Stellung zu etwas beziehen zu müssen, dass man ja noch gar nicht gemacht hatte." Doch die Aussicht auf nackte Tatsachen erwies sich als erfolgreiche Strategie. Noch vor Ablauf der gesetzten Frist von 80 Tagen war die Mindestsumme von 170 000 Euro erreicht, Ende August 2011 konnten die Dreharbeiten in Berlin beginnen.

Entstanden ist ein erotischer Kurzfilm von 40 Minuten Länge und mit erstaunlichen Detailbildern männlicher und weiblicher Intimzonen. Es ist jedoch kein Porno, wie manche Zuschauer ihn der Bezeichnung nach erwarten würden. "Es ist ein romantischer, expliziter und mit Kitsch gefüllter Streifen", sagt Moya und gibt zu: "Mir hat es fast diebische Freude bereitet, am Rande des Trivialen und der Klischees zu wandeln." Tatsächlich wirkt die Geschichte der alleinerziehenden Mutter Antonia (Saralisa Volm), die als Servicekraft im Hotel arbeitet, dort auf den blinden Künstler Julius Pass (Clemens Schick) trifft und mit ihm ihre eingeschlafene Lust reaktiviert, ein wenig wie eine erotische Jungsfantasie. Aber Moya schafft einige schöne Bilder, und die Sympathie für seine Figuren kommt deutlich zum Ausdruck. "Es war ein tolles Team", lobt auch Saralisa Volm, die mit den Sexszenen keine größeren Probleme hatte. "Ich habe sowieso oftmals das Gefühl, nackt zu sein - emotional, als Schauspielerin. Ob man dann mehr oder weniger Kleidung trägt, ist gar nicht so entscheidend. Wichtig war, dass wir uns vertraut haben." Zur Premiere waren neben Regisseur und Hauptdarstellern auch die Teammitglieder Palina Rojinski, Trystan Pütter und Frederick Lau gekommen, ebenso wie Anna Maria Mühe , Eva Hassmann , Axel Schreiber und Dennenesch Zoudé . Nach dem Film wurde bei der Aftershowparty im Club Prince Charles am Moritzplatz in Kreuzberg gefeiert.