Deutsche Filmakademie

Peer Steinbrück serviert schwere Kinokost

Sie sind sich ähnlicher, als es sich auf den ersten Blick vermuten lässt. Die Welten der Politik und des Films eint bisweilen der Hang zur Tragödie, mit vielen Helden, einigen Schurken, reichlich Eitelkeiten - und manch frei erfundenen Handlungssträngen.

So war der Gast, der am Mittwochabend eine neue Veranstaltungsreihe der Deutschen Filmakademie eröffnen durfte, wohl gewählt. Peer Steinbrück, zuletzt als Schachgenosse von Altbundeskanzler Helmut Schmidt und große SPD-Kanzlerhoffnung im Gespräch, stellte in der Astor Film Lounge am Kurfürstendamm gemeinsam mit Schauspielerin und Filmakademie-Präsidentin Iris Berben ein Kinowerk seiner Wahl vor, das alles andere als leichte Kost sein sollte.

Der Politiker hatte sich für das dreistündige Antikriegs-Epos "The Deer Hunter" ("Die durch die Hölle gehen") des US-Regisseurs Michael Cimino aus dem Jahre 1978 entschieden. Ein Drama über den Vietnamkrieg. "Der Film zeigt auf erschütternde Weise die persönliche Traumatisierung und gesellschaftliche Zerrüttung durch Krieg", sagte Steinbrück. Er sei Cineast seit seinem fünften Lebensjahr und froh, endlich einmal nicht über Finanzen sprechen zu müssen. Stattdessen huldigte er Cimino, kritisierte jedoch den deutschen Titel auf die ihm eigene trockene Weise als "schwachsinnig". Denn dies sei kein klassischer Kriegsfilm mit heroischen "Schlachtengemälden". Vielmehr werde eine intakte Welt aus den Angeln gehoben, auch für diejenigen, die gar nicht an der Front kämpften. Das habe ihn beeindruckt. Gleiches galt für sein Gegenüber Iris Berben - hinsichtlich seiner Person. Beide kennen sich übrigens fast 50 Jahre. Sie begegneten sich 1962 erstmals während der Sturmflut in Hamburg, wo beide als Schüler die Opfer mit Decken versorgten. "Bei Peer Steinbrück sehe ich keinen Unterschied zwischen dem privaten und dem öffentlichen Menschen, was ich schätze", erzählte Berben.

( cru )