Politik-award 2011

Politiker des Jahres im "Tipi" ausgezeichnet

Im "Tipi am Kanzleramt" an der Großen Querallee sind normalerweise Musik, Comedy und Varieté zu Hause.

Am Montagabend nun drängelten sich auf Einladung des Magazins "Politik und Kommunikation" rund 500 Vertreter aus Politik und Wirtschaft, um ausgewählte Politiker für ihre Arbeit und Kommunikationsagenturen für ihre Kampagnen mit dem "Politik-award 2011" auszuzeichnen.

Dass der Abend nicht so dröge wurde, wie der Ablaufplan vermuten ließ, war der gewohnt witzig-respektlosen Moderation des Abends von Jörg Thadeusz zu verdanken. "Waren Sie schon mal bei McDonald's?" fragte der unverblümt Winfried Kretschmann (63), der als "Politiker des Jahres" ausgezeichnet wurde. Als Sponsor für diese Kategorie stand ein Vertreter der Fastfood-Kette mit auf der Bühne und durfte das Gelächter des Publikums bei Kretschmanns Antwort zur Kenntnis nehmen: "Noch nie. Und wenn meine Kinder hinwollten, bin ich draußen geblieben." Der Ministerpräsident von Baden-Württemberg stand noch immer unter dem Eindruck der Stuttgart-21-Niederlage. "Ich hatte den Eindruck, dass wir gewinnen. Zum Schluss habe ich mich getäuscht", sagte er schlicht. Für eben diese Bescheidenheit würdigte Laudator Thomas Schmid, der Herausgeber der Welt-Gruppe, den Politiker: "Er beherrscht die Kunst der effektvollen Vereinfachung", sagte Schmid. "Er meint das, was er sagt."

Den Politikaward für das Lebenswerk erhielt Theo Waigel (72), der mit seinen drei Kindern nach Berlin gekommen war. Er erinnerte in seiner Dankesrede daran, "dass wir in den glücklichsten Zeiten leben, die es je gegeben hat." Schriftsteller Martin Walser (84) würdigte den CSU-Politiker als wichtigen Kämpfer für die europäische Einheit. "Es reicht nicht, nur eine Vision zu haben", sagte er über den Vater des Euro. "Man muss auch rechnen können." Und Theo Waigel habe eine Vision und könne rechnen.

Abschließend wollte Moderator Jörg Thadeusz wissen, ob Waigel manchmal wieder Politik machen wolle. "Ich würde es mir zutrauen. Aber Lust habe ich keine." Und er weiß, was er geleistet hat. "Ich war neuneinhalb Jahre Finanzminister, länger als jeder Andere in Deutschland", sagte er und findet, dass er mit seiner Bilanz zufrieden sein kann. Und dennoch sagt er: "Eigentlich war es zu wenig. Aber wenn es zu diesem Preis reicht, dann bin ich zufrieden."