Vermächtnis

Schlingensiefs Witwe eröffnet Operndorf

Es soll sein Lebenstraum gewesen sein, der nun wahr wird: Etwa ein Jahr nach dessen Tod ist das von Christoph Schlingensief geplante Operndorf im westafrikanischen Burkina Faso mit einer Schule eröffnet worden.

Die Witwe des Regisseurs, Aino Laberenz (30), dankte bei der Feier am Sonnabend allen Unterstützern: "Christoph ist heute leider nicht hier. Aber ich bin mir sicher, dass er jetzt irgendwo sitzt und zuguckt", sagt sie. Ihre Stimme war fest, sie trug den großen, schweren Ehering ihres Mannes an einer Kette um den Hals.

Rund 500 Menschen kamen zur Eröffnung der 30 Kilometer von der Hauptstadt Ouagadougou entfernten Schule, die erste von drei geplanten Bauphasen. Als nächstes soll eine Krankenstation folgen und schließlich das eigentliche Opernhaus. "Christoph mochte das Bild eines Schneckenhauses, das sich nach und nach ausbreitet mit dem Festspielhaus als Mittelpunkt", sagte eine sichtlich bewegte Aino Laberenz und fügte dann noch leise hinzu: "Letztlich halte ich mich noch sehr, sehr streng an das, was Christoph entwickelt hat."

Nach Schlingensiefs Tod schien die Zukunft des Projekts zunächst ungewiss, doch Laberenz brachte es mit Hilfe eines prominenten Unterstützerteams wieder zum Laufen. Die Schirmherrschaft hat dabei der frühere Bundespräsident Horst Köhler übernommen. Auch der Berliner Kunstmäzen Peter Raue gehört zu den antreibenden Kräften. Die Schule könne nicht das letzte Unternehmen sein, sagte er. Rund 500 000 Euro hat das Projekt bisher gekostet.

( BM )