Fernsehen

Mitreißen statt mitgerissen zu werden

Den Tag der Deutschen Einheit mit einem Film mit Wolfgang Stumph zu feiern hat bei den öffentlich-rechtlichen Sendern Tradition. Vor vier Jahren zeigte die ARD den inzwischen 65-Jährigen in "Heimweh nach drüben". An diesem Montag lässt das ZDF Wolfgang Stumph 1991 als Ossi inkognito bei der Treuhand anheuern.

Aber nicht nur das: Am Nachmittag läuft die Wiederholung des Films "Eine Liebe in Königsberg", die Suche eines erwachsenen Mannes nach seinem Vater. Der Sachse Stumph kann offenbar alles. Und Ossis wie Wessis wollen ihm dabei zusehen.

Wie schafft er das? Warum schalten die Menschen ein, wenn Kommissar Stubbe ermittelt oder sich Stumphs meist selbst entwickelte Figuren, die alle mit "St" beginnen wie sein Postbeamter Stankoweit in "Salto Postale", sein Struutz in "Go, Trabi, Go" oder zuletzt sein Stille in "Stilles Tal" durchs Leben kämpfen?

Vielleicht weil Wolfgang Stumph selbst ein Kämpfer ist. "Ich will anecken und ich will mir treu bleiben", erzählt er beim Frühstück im "Steigenberger"-Hotel, seinem Berliner Lieblingsdomizil. Er analysiere, er bewerte sich und seine Arbeit laufend, sagt er, und ginge seine Fehler mit sich durch. "Ich will meine Lebenszeit oder die der Zuschauer nicht mit Schnickschnack, den die Welt nicht braucht, vergeuden." Das heißt aber nicht, dass er nicht unterhalten will. "Unterhaltung mit Haltung", will er machen. Denn Wolfgang Stumph spürt gegenüber sich selbst, aber auch gegenüber den beiden Kindern Stephanie (27) und Thomas (40) die Verantwortung vorzuleben, "dass man sich quälen muss, dass man rackern muss. Dass nichts von alleine kommt und alle Beziehungen keinen dauerhaften Erfolg bringen."

In seinen Filmen spielen Ossis die Ossis und Wessis die Wessis. Trotzdem findet er die Begriffe heute zu plakativ und rückwärtsgewandt. "Es gibt zwischen Ost und West mehr verbindende als trennende Themen." Und weil er die mit seinen Partnern wie Thomas Brussig (bei Stankowski) oder Peter Kahne (bei Stubbe),unermüdlich in Filmstoffe verwandelt, bleibt er authentisch. Egal, wen er spielt. Er findet es vielleicht "ein bisschen leichtsinnig", dass das ZDF gleich zwei seiner Filme an diesem Tag sendet.

Dass er an einem Feiertag als Quotengarantie herhalten muss, stört ihn ohnehin nicht: "Mir ist es lieber, für so etwas ein Aushängeschild zu sein" - er meint die deutsche Einheit - "als für Telekom-Aktien oder für eine Biersorte." Dass der Schauspieler und Kabarettist auf der wirtschaftlichen Ebene nicht in Abhängigkeiten gerät, dafür hat er gesorgt: Er hat weder Manager noch Presseagent: "Ich will nicht mit mir machen lassen. Ich will machen", sagt er, mitreißen und nicht mitgerissen werden. "Ich will mich nicht zu Dingen verführen lassen, hinter denen ich nicht stehe." Trotzdem hat er um sich herum Leute, auf deren Meinung er wert legt. "Auf diejenigen, die den Mut haben, mir zu sagen, dass ich aus dem Mund rieche."

Authentische Menschen eben - so wie er.