Nina Hagen

"Ich bin doch nur ein Mensch"

Nina Hagen (56) hat eine "nackte Frau" mitgebracht, wie sie sagt: ihre Gitarre. Mit der Klampfe sitzt die Sängerin auf einem Sperrmüllsofa und gibt zunächst einmal ein Minikonzert. "Ich fühl mich nicht mehr wohl, im Europa von Helmut Kohl", trällert sie den Kameras entgegen.

Das war bei der Vorstellung ihres neuen Albums "Volksbeat" vergangene Woche in Berlin. Die CD steht seit Freitag in den Läden. Nach einer sehr erfolgreichen Gospel-Platte und christlichen Pfaden hat sie nun eine neue Berufung für sich entdeckt: Protestsängerin. Mit schwarzem Mini und Oberteil sieht Nina Hagen bei der CD-Präsentation für ihre Verhältnisse fast so aus, als ginge sie ins Büro. Allein auf dem Kopf und an den Füßen leuchtet es pink. Die Sängerin möchte nicht immer nur der schrille Pausenclown sein: "Ich bin doch nur ein Mensch."

Die Rolle des Talkshow-Paradiesvogels beherrscht sie immer noch, aber viele ihrer Themen sind ernst. Sie warnt vor der Gefahr von Uranwaffen, pocht auf die Menschenrechte und fordert mehr direkte Demokratie. "Wir müssen uns als Bürger in einer Demokratie auch direkt basisdemokratisch mit einbringen. Denn sonst sieht man ja, was passiert", erklärt sie. 2010 hatte die frisch getaufte Christin mit dem Gospel-Album "Personal Jesus" ein bemerkenswertes Comeback gefeiert. Es war ihre erfolgreichste Veröffentlichung seit 1979. Die Inspiration für ihr neuestes Werk fand sie durch "höhere Gewalt". Da gebe es "einen guten Geist", erklärt sie.

Ihre Mutter, Sängerin und Schauspielerin Eva-Maria Hagen (77), sei ihr "Wurzelstock", sagt Nina Hagen. "Ich bin quasi bei meiner Mutter in die Lehre gegangen." Wenn sich die beiden auf der Bühne fetzten, sollte man das nicht für bare Münze nehmen. Das sei Kabarett. Auf der neuen CD findet sich neben Punk und Ska auch eine Coverversion des Songs "Ermutigung" - eine Verneigung vor ihrem Ziehvater, Liedermacher Wolf Biermann.