"Welt"-Literaturpreis

Von Dichtern und Denkern

Es war ein Abend der großen Worte. Um einen Mann angemessen zu würdigen, der es derzeit wie kein anderer in Deutschland versteht, mit eben diesen perfekt umzugehen. Albert Ostermaier , Lyriker und Prosa-Autor, erhielt am Freitag den diesjährigen Literaturpreis der "Welt".

Die mit 10 000 Euro dotierte Auszeichnung wurde dem 43-Jährigen durch den Laudator, Schauspieler Dominique Horwitz , und der Herausgeberin der "Literarischen Welt", Rachel Salamander , im Ernst-Cramer-Saal des Hauses Axel Springer überreicht. Rund 200 Literaturliebhaber und -kenner versammelten sich dort, darunter Kritiker und Autor Hellmuth Karasek , Schriftsteller Maxim Biller sowie SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier . Sie wollten den Münchner würdigen, der für die Jury "gleichermaßen auf dem Gebiet des Dramas, der Lyrik und der Prosa zu Hause ist." Sein Umgang mit Sprache zeuge von einer "großen gestalterischen Kraft und Fantasie". Letztere wurde offenbar auch bei den Gästen beflügelt, die das außergewöhnliche Talent des Preisträgers lobten. So sprach etwa Kunstmäzen Peter Raue von einem "wunderschönen Sprachgefühl", welches Ostermaier besitze - und bekannte, selbst gern zu schreiben. Ob er sich vorstellen könnte, ein eigenes Buch zu veröffentlichen? "Kein Kommentar", sagte Raue lächelnd. "Träume verrät man nicht." Der ehemalige "Tagesthemen"-Moderator Ulrich Wickert indes hat bereits mehrere Werke verfasst: "Ich muss wohl 110 Jahre alt werden, um über alle Themen zu schreiben, zu denen ich Ideen habe."

Laudator Dominique Horwitz, eng mit Albert Ostermaier befreundet und allein deshalb vor seiner Ansprache "extrem aufgeregt", wollte sich statt auf die schreibende weiterhin eher auf die darstellende Kunst konzentrieren: So musste er direkt im Anschluss an die Veranstaltung im Renaissance-Theater für seine Rolle als Maler Mark Rothko im Stück "Rot" auf der Bühne stehen. Doch ließ er es sich nicht nehmen, noch die Rede des Geehrten zu verfolgen, in der sich Albert Ostermaier mit sehr persönlichen Worten bei seiner Großmutter bedankte, die ihm als Kind regelmäßig Gedichte vorgetragen und ihn dafür begeistert habe. "Damals waren Dichter für mich Revolverhelden wie 'Lucky Luke'. Und ich wollte unbedingt so einer werden."