Grönland-Expeditionen

Herrn Lanz' Gespür für Schnee

Er wirkt etwas abwesend. Wie er in dem behaglichem Hotelzimmer sitzt, vor ihm eine Tasse Kaffee, die längst kalt geworden ist. Markus Lanz hat sie kaum angerührt. Zu viel gibt es zu erzählen, zu oft schweift er ab. Mit seinen Gedanken, das merkt man schnell, ist er wieder zurück. Zurück im Eis, in Grönland. Dort, wo es den Moderator seit 15 Jahren regelmäßig hinzieht.

"Es ist diese erstarrte Ewigkeit, die mich fasziniert", sagt er. Die Landschaften, ihre Tiere und Menschen, die er für das Magazin "National Geographic" festgehalten hat - und jene Aufnahmen nun mit einer Multimediashow am 11. November in der Universität der Künste in Berlin präsentieren möchte.

Routine sind diese Expeditionen für ihn bis heute nicht. Dafür sei die Herausforderung zu groß. "Im ersten Moment willst du nur noch weg. Man spürt als Mensch, dass man da nichts verloren hat", sagt der 42-Jährige. Doch gerade das mache für ihn den Reiz aus. Weil es so anders ist als das, was seinen Alltag bestimmt. Im ZDF spricht er regelmäßig mit bekannten und unbekannten Gesichtern, bewegt sich in einer Welt, die nicht selten an der Oberfläche bleibt. Die schnelllebig und überfrachtet ist. Für Markus Lanz sind die Reisen in die Arktis eine persönliche Form der Entschleunigung. Er liebe diese vollkommene Abwesenheit von Geräuschen. Die Reduktion auf das Wesentliche: Leben und Überleben. "Im Alltag arbeiten wir zu sehr mit dem Kopf und spüren den Körper nicht mehr", erzählt er. "Diese Balance kriegt man auf einer Tour durchs Eis wieder hin." Es sei wohl eine Mischung aus Neugierde und Ehrgeiz, die ihn antreibe. Markus Lanz lächelt kurz, ehe er weiter von einer unangenehmen Begegnung mit einem Eisbären erzählt oder von schlaflosen Nächten bei minus 40 Grad. Allerdings bleibt es schwer vorstellbar: Dieser smarte Fernsehmoderator, der mit dem Schwiegersohn-Image, in einer archaischen und manchmal unbarmherzigen Welt. Nein, um seinen Kritikern etwas zu beweisen, die ihn gern als "Schmusetalker" klassifizieren, absolviere er die Reisen sicherlich nicht, bekräftigt Lanz. "Keiner kann so bescheuert sein, so etwas kalkuliert zu machen. Dann gibt er nach einer Woche auf." Bereits als Kind, aufgewachsen in Südtirol, sei es ein Teil von ihm gewesen, sich in extreme Situationen zu begeben. Obwohl er "ein ängstlicher Mensch" und "klaustrophobisch" sei. Oder gerade deswegen. Denn, so erzählt Markus Lanz: "Es ist auch wichtig, Risiken zu scheuen. An die Grenzen darf man nie stoßen, das wäre zu gefährlich."

Seit einiger Zeit hat Markus Lanz Begleitung auf seinen Touren. Sein elfjähriger Sohn Laurin aus der ehemaligen Beziehung mit Moderatorin Birgit Schrowange fährt mit ins Ewige Eis, bei Reisen, die nicht zu riskant sind. Eine besondere Verbindung sei die gemeinsame Leidenschaft. Etwas, das sie nur zu zweit teilten. Für seine Frau Angela sei "so etwas eher nichts". Wieder ein Lächeln - und ein rascher Themenwechsel. Über Privates spricht der Mann mit der berufsbedingten Neugierde nur ungern, meidet rote Teppiche und große Events. Im Juli heiratete das Paar in Südtirol, im privaten Kreis. Ein anderes Lebensprojekt steht Markus Lanz derweil noch bevor: Eine Expedition von Nordgrönland nach Kanada. Seine Reise geht weiter.