Prix Montblanc 2011

Hollywood statt Hochkultur

Es hätte ebenso gut eine Hollywood-Filmpremiere sein können. Journalisten drängeln sich am roten Teppich im Konzerthaus am Gendarmenmarkt. Einige bekannte Berliner Gesichter flanieren darüber und werden höflich fotografiert, darunter die Moderatorinnen Tanja Bülter, Bettina Cramer und Tamara Gräfin von Nayhauß.

Doch ein echtes Blitzlichtgewitter mit wilden Pöbeleien unter den Fotografen und Kamerateams löst erst ein Gast aus Hollywood aus: US-Serienstar Teri Hatcher (46, "Desperate Housewives"). Die Schauspielerin war eigens für einen Tag aus Los Angeles eingeflogen, um einer Preisverleihung für Nachwuchsmusiker ein wenig Glamour abzugeben. So funktioniert das eben. So geriet die festliche Vergabe des Prix Montblanc 2011 an den 26-jährigen armenischen Violinisten Sergey Khachatryan , die das ehemalige Guess-Model Julia Valet moderierte, zunächst zu einer One-Woman-Show. Im Glitzerfummel auf mörderischen High Heels stand Teri Hatcher Frage und Antwort. Das Ende von Desperate Housewives? Kein Drama, aber sie werde die Serie vermissen. Ihr Tag in Berlin? "Das war mein erster Besuch. Ich bin begeistert davon, wie grün es überall ist, von der Geschichte und der atemberaubenden Architektur", schwärmte sie. "Ich habe meiner Tochter geschrieben, dass wir unbedingt mal zusammen herkommen müssen", so gut habe ihr Berlin gefallen. Natürlich auch die weltbekannte Berliner Currywurst. "Ich liebe Currywurst", sagte sie. Und nicht nur die. "Auch die Pommes."

Nachdem sich der Trubel um den Star aus Amerika gelegt hatte, stand der Preisträger im Mittelpunkt. Jürgen Christ , Jury-Mitglied des Prix Montblanc, der zum sechsten Mal verliehen wurde, sagte über den Preisträger: "Man sieht heute so viele Künstler auf der Bühne, die nur ihren Job machen. Sergey möchte immer eine ganz besondere Atmosphäre schaffen." Der Chef von Montblanc, Lutz Bethge, fügte hinzu: "Politik kann Menschen entzweien, aber auch Religion kann das." Auch mit Blick auf Justus Frantz und seine Philharmonie der Nationen, die im Anschluss an die Verleihung ein Konzert gaben, sagte er: "Klassische Musik hingegen vereint."

Sergey Khachatryan zeigte sich bewegt: "Es ist schwer, etwas zu sagen, weil ich jetzt natürlich sehr gerührt und nervös bin. Ich glaube aber, dass die Montblanc Kulturstiftung wichtig für die Kunst ist. Deshalb möchte ich mich auch vor allem im Namen der Kunst bedanken."

Sergey Khachatryan stand bereits mit Orchestern wie den Berliner Philharmonikern, dem Royal Concertgebouw Orchestra, dem Orchestre National de France, dem Orchestre de Paris, dem London Symphony Orchestra, dem London Philharmonic Orchestra, dem Philharmonia Orchestra, NHK Symphony in Tokio, den Münchner Philharmonikern und dem Tonhalle-Orchester Zürich auf der Bühne. Auf dem Galakonzert mit der Philharmonie der Nationen spielte Sergey Khachatryan Solosonaten für Violine von Johann Sebastian Bach und eine Solosonate von Eugène Ysaye.