Schauspiel

Ein Flirt wie auf der Bühne

Im Foyer des Hotels "Adlon" herrscht geschäftiges Treiben. Etwas versteckt in einer hinteren Ecke sitzen die Schauspieler Barbara Wussow und Winfried Glatzeder und trinken Cappuccino. Sie im feuerroten Kleid, er im schwarzen Anzug.

Kurz vor der Premiere des 25. "Jedermann" in Berlin wirken sie vollkommen entspannt.

"Hast du während deiner Zeit hier viel von der Stadt gesehen?", fragt Jedermann (Glatzeder) seine Buhlschaft (Wussow) mit charmantem Augenzwinkern. Als wären die beiden vollkommen in ihren Rollen aufgegangen, lächelt Wussow verführerisch zurück. "Natürlich kenne ich Berlin gut, weil ich hier schon oft gearbeitet habe, aber eine Stadtführung vom Jedermann persönlich hätte ich schon gern", antwortet sie. Gesagt, getan: Jedermann und Buhlschaft machen sich auf den Weg, Berlin zu entdecken.

Vom "Adlon" geht es auf den Pariser Platz und zum Brandenburger Tor. Und natürlich besichtigen die beiden die Gruft des Berliner Doms. "Das gefällt mir", sagt Wussow dort. Generell habe sie als Wienerin "natürlich einen Hang zum Morbiden".

Bedenken, als 50-Jährige noch mal die Buhlschaft zu spielen, hatte Wussow "auf gar keinen Fall". Im Gegenteil, jetzt sei "das perfekte Alter". Mit 20 hätte sie die Rolle nicht spielen wollen. "Was ist man denn mit 20? Jung und dadurch sinnlich - vielleicht. Aber meiner Meinung nach reicht das nicht für so eine Rolle. Über 40 muss man sein, um sein Verlangen und seine Sinnlichkeit gut zu kennen." Sie fühle sich sauwohl in ihrer Haut und möchte "keinen Tag jünger sein". Glatzeder grinst verschmitzt: "Ja, es gibt so Frauen, wie auch Nena, die immer aussehen, als seien sie höchstens 40. Sie können sich eine gewisse Jugendlichkeit immer bewahren."

Wussow erzählt, dass sie früher schüchtern war. "Ich bekam schon feuchte Hände, wenn mich nur jemand angesehen hat." Die Ausbildung zur Schauspielerin war für sie wie eine Therapie. Am heutigen Donnerstag ist die Premiere im Berliner Dom. Lampenfieber gehört für Glatzeder dazu. "Pures Adrenalin", nennt er das. Und für Wussow ist es schlicht "eine schöne Fügung, dass ich mein Berliner Theaterdebüt mit dieser Rolle geben darf". Schließlich war auch die erste Rolle, die sie je auf der Bühne spielte, aus einem Hofmannsthal-Stück, dem "Rosenkavalier".