Biografie

Geständnisse eines Showmasters

Es hätte ein Buch von vielen sein können. In dem ein Prominenter einmal mehr über Kollegen urteilt, seine Anfänge im Showgeschäft beschreibt, Intimes preisgibt. All das findet sich in der Biografie des langjährigen ZDF-Moderators Dieter Thomas Heck, die am 20. Oktober erscheint. So weit, so durchschnittlich.

Doch gibt es in seinen fast 300 Seiten umfassenden Erinnerungen, vom Münchner PR-Manager Peter Lanz aufgeschrieben, eine Stelle, die auf drastische Weise überrascht. Und dem Werk des 73-Jährigen bereits vor der Veröffentlichung reichlich Aufmerksamkeit sichert.

Als "Privattragödie" ist jenes Kapitel überschrieben, in dem der einstige Star der "ZDF-Hitparade" eine gewaltsame Auseinandersetzung mit seiner damaligen Frau Edda schildert. "Was an jenem 4. September 1971 geschah, erscheint mir heute so unvorstellbar sinnlos. Aber ich konnte meinen Zorn nicht mehr in vernünftige Bahnen lenken", sagt Heck über einen Streit, bei dem er seine Alkoholkranke Frau beinahe erwürgte. Sie sei betrunken gewesen, habe gebrüllt, und ihn hätte die Panik ergriffen - er wollte sie nur noch zum Schweigen bringen. Er sei auf sie zugestürzt, habe ihr den Mund zugehalten, erzählt der in Spanien lebende Entertainer. "Ich sehe noch heute, wie meine Finger sich um Eddas Hals legten. ... Wenn du zudrückst, ist sie still, sagte etwas in mir. ... Aber ich zögerte." Schließlich habe sich seine Frau aus dem Griff befreien können, und Heck sei aus dem Zimmer gelaufen. Drei Jahre später ließ sich das Paar scheiden. Edda Heckscher sei 2000 "verarmt und einsam" in Spanien gestorben, hieß es dazu in der "Bild"-Zeitung vom Sonnabend. Dieter Thomas Heck lernte indessen nur kurz nach dem Übergriff seine heutige Ehefrau Ragnhild Möller kennen, sie heirateten 1976.

"Wenn ich etwas mache, dann muss es ehrlich sein. Dann gehören auch Fehler und Probleme dazu, die es im Leben gegeben hat", sagte Dieter Thomas Heck der Berliner Morgenpost am Rande der Frankfurter Buchmesse, wo er seine Biografie vorstellte. Er habe bereits in der Vergangenheit über den Vorfall gesprochen, seinem langjährigen Freund und Autor des Buches, Peter Lanz, nun erstmals alles im Detail erzählt. "Es braucht eine Initialzündung, um so etwas zu veröffentlichen. Peter Lanz kam mit einer guten Idee, deshalb habe ich es jetzt getan."

Vor knapp vier Jahren hatte sich der gebürtige Flensburger von seinem Publikum verabschiedet - nach fast 40 Jahren Fernseherfahrung. Seiner Karriere widmet er einen Großteil seines Buches. Mitsamt seinen Kollegen. Über Rudi Carrell etwa sagt er: "Carrell sah sich als Maß aller Dinge." Derweil findet er für Künstler wie Udo Lindenberg, "der immer zu seinem Stil stand und nie Trends ausreizte", nur lobende Worte. Heck selbst, häufiger auch belächelt, könne bis heute nicht gut mit Kritik umgehen. "Nach einer Sendung brauche ich Zuspruch, Applaus, Lob und Liebe." Ob sein Publikum ihn damit für sein Buch beglückt, wird sich zeigen.