ARD-Hauptstadttreff

Die große Koalition der guten Laune

Einmal im Jahr bittet das Erste zum Hauptstadttreff ins ARD-Hauptstadtstudio an der Wilhelmstraße, und verzichtet dabei bewusst auf den üblichen Berlin-Mix aus Boulevard und Politik. Eingeladen waren am Mittwochabend nur die politischen Gesichter des Senders, Günther Jauch etwa.

Und die kamen gern, weil sich in der Regel das politische Berlin, allen voran Kanzlerin Angela Merkel, aber auch ihr Vize-Kanzler und Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler sowie die Grünen-Fraktionschefs Renate Künast und Jürgen Trittin, FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle, Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau (Die Linke) und CDU-Fraktionschef Volker Kauder, zum ungezwungenen Informationsaustausch blicken lassen. "Ein Abend ohne Bling-Bling und glitzerfrei", pries RBB-Intendantin Dagmar Reim das Treffen an. Dabei hätte die Runde aus Medien und Politik inmitten der vielen dunklen Anzüge den ein oder anderen schillernden Stargast schon vertragen. Ohne die erwies sich ein Stehtisch am Ende der Treppe, die alle Gäste hinaufsteigen mussten, um sich im ersten Stock dem gepflegten Smalltalk zu widmen, als amüsantester Platz. "Die Sonne geht rauf", raunten etwa die Gäste, als Hauptstadtkorrespondent Werner Sonne kam. "Schwarz-grüner Aufstieg" tuschelte mancher, als sich Angela Merkel zusammen mit Grünen-Chefin Claudia Roth nach oben kämpfte.

Letztere hatte offenbar so lange gewartet, bis sich die Kanzlerin entschlossen hatte, nach oben zu gehen. Für die sportliche Note des Abends sorgte Sportmoderator Gerhard Delling. Das schönste Gesicht der ARD, Anne Will, hatte sich hingegen entschuldigen lassen: Die Moderatorin war live auf Sendung und verpasste den Abend "ohne FDP-Witze" und "ohne Papst", zu dem Dagmar Reim die Gäste begrüßt hatte. Alle anderen durften sich gut unterhalten fühlen: Monika Piel, derzeitige ARD-Chefin, Hausherr und Hauptstadtstudio-Chef Ulrich Deppendorf sowie Programmdirektor Volker Herres jedenfalls hießen jeden willkommen. Und zwar pünktlich ab 19 Uhr: Die Kanzlerin hatte um einen Start im Zeitrahmen gebeten. Ihr Wort ist eben Befehl. Sogar in der bunten Welt der Medien.