Max von Thun

"Ich bin nicht nur der Sohn von jemandem"

Blitzschnell ist sie da, die Hand von Friedrich von Thun (69) und taucht hinter dem Schopf seines Sohnes Max (34) auf. Spitzbübisch blitzt ein Grinsen unter dem immer noch blonden Schnauzer des Schauspielers hervor, während sein Zeige- und Mittelfinger wie Häschenohren auf dem Kopf des Sohnes sitzen.

Der Fotograf drückt ab. Max von Thun bemerkt die Gesten seines Vaters. Knuffer, Grinser, Lacher. Ein Bild wie aus dem Familienalbum.

Gemeinsam stehen Friedrich und Max von Thun gerade zum ersten Mal vor der Kamera und spielen, was sie wirklich sind: Vater und Sohn. "Ein weites Herz" heißt das ZDF-Familiendrama rund um die Kabarettistin, Nazi-Gegnerin und Nonne Isa Vermehren (gespielt von Nadja Uhl ), das noch bis Ende September in einer Villa in der Kleiststraße in Berlin-Zehlendorf gedreht wird.

Da stehen sie vor der Villa, tragen Nadelstreifenanzug, Weste, Schalkrawatte und sehen sich auch auf den zweiten Blick nicht ähnlich: TV-Star und Gentleman Friedrich von Thuns blonde Haare weichen von der Stirn zurück, während seinem Sohn Max, aus erster Ehe mit Model und Designerin Yella , die brünetten Strähnen ins Gesicht fallen. Hier blaue, wache Augen und Küss-die-Hand-Charme, dort braune, melancholische Knopfaugen mit kecker Unangepasstheit.

Während Friedrich von Thun seit den 70er-Jahren stets auf dem deutschen Bildschirm präsent war mit TV-Serien wie "Das Erbe der Guldenburgs" oder "Die Verbrechen des Professor Capellari", macht sich der Junior rar und geht lieber auf Motorradtouren oder tritt mit seiner Rockband "77" auf. Keine Frage, dem Vater würde man sein Sparbuch anvertrauen, mit dem Sohn lieber das Geld verfeiern. Zwei wie Feuer und Wasser.

Es ist beiden sichtlich unangenehm, über ihr Verhältnis zu sprechen. Friedrich von Thun hält sich an seinem heißen Tee mit Honig fest, den er wegen seiner Verkühlung geordert hatte, während Max auf den Boden starrt. Männer sind manchmal so, denn Fragen wie "Sind sie sich ähnlich", können so unbezwingbar sein wie ein Siebentausender. Doch am meisten erfährt man sowieso über die beiden, wenn sie schweigen. Dann tauschen sie schelmische Blicke aus, lachen miteinander und man begreift ihre Vertrautheit und zugleich ihren Respekt füreinander. Hier sitzen zwei Männer, die auf Augenhöhe sind. Doch war das immer schon so? Natürlich erinnert sich Friedrich von Thun an die Sturm-und-Drang-Jahre seines Sohnes, der sein Abitur am "Sevenoaks"-Internat im englischen Kent gemacht hat. "Dann kam er mit gelben oder roten Haaren nach Hause." Man hört auch heute noch das Kopfschütteln in seiner Stimme. Daher lassen wir Max' Haustier, eine Python, die er nach ihrem Ableben als Gürtel in der Hose trug, die Tätowierungen und das Motorrad lieber unerwähnt.

"Es war nie ein Drama", erklärt der Vater über die wilden Jahre. "Außerdem war es eh schon zu spät. Wenn die Haare rot sind, kann man noch seine Meinung sagen, aber die muss dann ja nicht mehr interessieren", sagt Max. Kecke Antworten sind sein Markenzeichen, doch ein Blick und ein Lachen zwischen den Männern und man versteht, dass seine Aufmüpfigkeit weder damals noch heute ein Problem ist. Anders als der Familienname.

Eigentlich könnten sich beide Graf von Thun-Hohenstein nennen, denn sie stammen von einem österreichischen Adelsgeschlecht ab. Aber das war nicht das Problem, sondern der berühmte Name des Vaters. Er schwebte wie ein Schatten über Max. "Es hat eine Weile gedauert, bis die Leute gemerkt haben, dass ich nicht nur der Sohn von jemanden bin", sagt er.

Also näherte er sich zuerst hinter der Kamera dem Berufsfeld des Vaters - wie seine drei Jahre ältere Schwester Franziska , die sich unter dem Pseudonym Gioia von Thun als Filmproduzentin einen Namen gemacht hat. Dann zieht es ihn doch ins Rampenlicht. Rebellisch macht er sein Ding. In "MTV Kitchen" redet er 1999 sinnfrei und sehr unterhaltsam über Rockmusik, später spielt er in Komödien wie "Samba in Mettmann" mit.

Inzwischen hat Max von Thun in großen Produktionen wie "Kronprinz Rudolf" Hauptrollen gespielt und sich einen eigenen Namen gemacht. "Bald wird man bei mir schreiben, ich sei der Vater von...", scherzt nun wieder Friedrich von Thun. Gerne verbringen die beiden Zeit miteinander. "Wir haben einen engen Zusammenhalt, sehen uns häufig. Auch wenn ich öfters anrufe und er seltener zurück", sagt Friedrich von Thun und wirft seinem Sohn einen tadelnden Blick zu.

In Berlin waren sie gemeinsam im Bodemuseum bei der Renaissance-Ausstellung und beim Vietnamesen "Monsieur Vuong". Sie unterhalten sich über die Schauspielerei und Rollenangebote. "Seine Meinung interessiert mich. Manchmal sagt er zu etwas, das sei Quatsch. Dann denk ich darüber nach", erklärt der Vater. "Wir loben und kritisieren uns", ergänzt der Sohn. Auch bei der Frage, ob er Juror bei DSDS werden soll, holte er sich väterlichen Rat. "Er war nicht hilfreich, er kannte die Sendung nicht", erklärt der Jüngere. Herzliche Blicke, inniges Lachen. "Ich war eher positiv eingestellt, weil ich dachte, er kann seine Musik unterbringen", stellt der Vater klar.

Die Musik ist ihre zweite große Leidenschaft. Friedrich von Thun tritt demnächst in Meran mit Saxophon und Jazz-Band auf und Sohn Max hofft, bald Zeit zu finden, um sein zweites Album mit "77" aufzunehmen. "Wir sind beide keine Virtuosen an unseren Instrumenten, aber wir haben Spaß dabei", stapelt Max tief.

Und dann kommt sie doch noch, die Antwort auf die Frage nach der Ähnlichkeit. Nach seinem Vortrag über die gemeinsame Liebe zur Musik, zum Schauspiel, zum FC Bayern und zur Vietnamesischen Küche sagt Friedrich von Thun: "Offenbar haben wir ziemlich viele Gemeinsamkeiten." Nur zur Fahrradtour nach Kreuzberg will der Sohn den Vater nicht begleiten, das ist dem Motorradfan dann wohl doch zu betulich.