Bodyguard Michael Kuhr

Der Schatten der Stars

Wenn Superstars Berlin besuchen, ist Michael Kuhr immer an ihrer Seite. In Hotellobbys, auf dem Weg zur Bühne oder zur Limousine. Nicht mit Autogrammblock und Fotokamera im Gepäck, sondern mit schusssicherer Weste, scharfem Blick und Pistole.

Der 49-Jährige ist Bodyguard, und was die Fans von Leonardo DiCaprio oder Shakira hocherfreut, ist für ihn Schwerstarbeit. "Beim Aufeinandertreffen von Prominenten mit Fans beobachte ich immer die Hände der Leute. Wenn jemand die ganze Zeit die Hände in der Jackentasche hat, ist das sehr verdächtig", sagt Michael Kuhr. Seit 1994 betreibt der gebürtige Weddinger eine eigene Security-Firma. Er und seine 50 Mitarbeiter bewachen Diskotheken wie das "Adagio", VIP-Veranstaltungen wie den Echo und bieten Begleitschutz für Geschäftsmänner und Stars. Seine Erlebnisse hat der sechsfache Kickboxweltmeister jetzt aufgeschrieben, im Buch "Bodyguard. Zwischen High Society und Unterwelt".

Nicht nur bei Auseinandersetzungen mit kriminellen Großfamilien an den Türen der Clubs, auch bei großen Stars auf Berlin-Besuch braucht er mitunter Nerven wie Drahtseile. Ed-Hardy-Gründer Christian Audigier etwa stellte sich beim Fotoshooting auf dem Dach des "Mandala"-Hotels spontan mit ausgebreiteten Armen an die Kante, wie ein Klippenspringer: "Ich sah schon die Schlagzeile: 'Ed Hardy-Gründer stürzt sich vom Dach'", erinnert sich Michael Kuhr, der dank Usain Bolt auch mal 20 Minuten lang um sein eigenes Leben bangte. Während der Leichtathletik WM 2009 auf der Avus. "Wir haben Usain Bolt eine Ferrari-Fahrt zum Geburtstag geschenkt. Und so wie er rennt, so fährt er auch Auto", erzählt der Bodyguard. Geradezu beruhigend war da die Entschuldigung, die Victoria Beckham parat hatte: "Bitte nehmen Sie es mir nicht übel, wenn ich zickig rüberkomme. Das ist alles nur Show für die Presse." Unvergesslich auch die Hochzeit von Verona Pooth in Wien: Eigentlich sollte Sohn San Diego im Auto vom Hotel zum Stephansdom fahren, doch als er die Kutsche sah, wollte er mit der Mutter mit. Das brachte fünf Bodyguards unfreiwilliges Fitnesstraining ein. Sie joggten den ganzen Weg neben der Kutsche her, im Sommer, in Anzügen, mit Funkgeräten. Mehr verrät Michael Kuhr aber nicht. Vertrauenswürdigkeit gehört zum Geschäft. Glück hat auch Lady Gaga: "Sie hat ihre Sonnenbrille im Auto vergessen. Die bekommt sie beim nächsten Besuch zurück."