Mode

Die Braut - "undressiert wohlerzogen"

Nie habe ich Couturiers beneidet, die saudische Prinzessinnen oder Oligarchen-Gattinnen einkleiden müssen. Ich arbeite eher konzeptionell, nicht nach Maß auf Körper komm raus, hatte immer Angst vor Divenalarm und wollte nie jemanden privat einkleiden. Doch mit der Prinzessin Sophie war alles anders. Sie entspricht genau meinem Frauentyp, ist keine strahlende Glamourpuppe sondern wie auch ihre großartige Mutter so, wie man sich eine adelige Dame idealerweise vorstellt.

Mit blasser Haut, von anmutiger Eleganz und Zurückhaltung, sehr natürlich und aristokratisch. Undressiert wohlerzogen. Sie entspricht meinem Preußen, das ja durchaus ein kontroverses Gesicht hat, aber in meiner Familie stets für Mut, Disziplin, Stil und Humor stand. Es war mir Ehre, Herausforderung und Vergnügen zugleich, dieses besondere Kleid zu entwerfen. Viele Monate haben wir an dem Kleid gearbeitet, die Prinzessin hat ihre Wünsche eingebracht, ihr Mann aber auch, wie die gewaschene Seide mit dem etwas morbiden, leichten Knittereffekt. Der Alte Fritz träumte immer von einer Fontäne in seinem Garten, bei aller Mühe funktionierte es nie. Nur ein einziges Mal hat er sie sprühen sehen. Bei dieser glücklichen Hochzeit sollte er sie noch einmal sehen.

Und so fließt das Kleid in kleineren und größeren Wellen, versprüht seine kühlende Gischt. Schon zur Fürsten-Hochzeit in Monaco trug Sophie ein Kleid von Wunderkind, ein Unikat mit unfassbarer Biesentechnik in Diagonalverlauf, die haben wir auch für das Hochzeitskleid verwendet. Dessen Weiß sollte aber nicht an Tennis erinnern, vielmehr haben wir den gewaschenen Seidentaft in einer Spezialfirma in Como in "Whisper White" anfertigen lassen, das ist der Ton des über 180 Jahre alten Familienschleiers, der auf einer langen Schleppe ruht. Die wird, es ist schließlich eine preußische Braut, von einem Offiziersmantel gehalten. Einem Hauch von Geschichte in transparentem Seidenorganza.