Schauspieler Matthias Brandt

Mehr Sein als Schein

Wahlplakate überall, die Stadt hängt derzeit voll davon. Regelmäßig erheben Prominente - Leander Haußmann, Ralph Herforth und Walter Sittler gehören dazu - ihre Stimmen. Nur Matthias Brandt, ebenfalls Schauspieler und der Sohn von Willy Brandt, hält nichts davon, sich öffentlich über Politik zu äußern.

"Ich habe zu ziemlich vielen Themen eine ziemlich klare Meinung", sagt der 49-Jährige. "Aber ich habe mir herkunftsbedingt immer verbeten, darüber zu sprechen." Jede Aussage von ihm werde in einen Zusammenhang gestellt, der für Brandt nicht besteht. "Meine Meinung wird nicht wichtiger, nur weil ich der Sohn meines Vaters bin. Nicht richtiger oder falscher", findet er. Was der Schauspieler äußert, bekommt automatisch riesige Dimensionen. Er behalte seine politischen Überlegungen lieber für sich, aus Selbstschutz.

Er ist lieber Schauspieler als Agitator. Von Sonntag an kommt eine neue Facette dazu. Brandt ermittelt in der ARD erstmals als Kommissar Hanns von Meuffels im Münchner "Polizeiruf 110 - Cassandras Warnung" von Dominik Graf . Er beschreibt seine Figur so: "Jemand, der fremd ist, sich fremd fühlt und auch als Fremder behandelt wird." Das hat ihn gereizt. Sein Ermittler, dem er "preußische Werte, im besten Sinne der Aufklärung" zuschreibt, hat eine ironische Distanz zu seiner adligen Herkunft. Die teilt Brandt. "Zwischenzeitlich bekam ich kalte Füße, aufgrund der heftig anwachsenden neuen Adelsbegeisterung in Deutschland", sagt er in Anspielung auf den Medienhype um Ex-Minister Karl-Theodor zu Guttenberg und dessen Frau Stephanie . Und er fügt grinsend hinzu: "Aber das hat sich ja wieder erledigt."

Und es gibt noch mehr Parallelen zwischen dem Schauspieler und seinem Kommissar. Er nennt ein paar Schlagworte: "Geradlinigkeit, Mut, eine gewisse Härte, weniger gegen andere als gegen sich selbst. Mehr Sein als Schein." Damit kommt Brandt gut zurecht. Er ist ein reifer, ein besonnener Kommissar.

Zum Glück. "Ich wurde noch nie über Jugendlichkeit definiert", sagt er. Am 7. Oktober feiert der Schauspieler, der mit Ehefrau Sophia und Tochter Naima in Zehlendorf lebt, seinen 50. Geburtstag. "Ich werde jetzt so alt, wie ich mich schon lange fühle", scherzt er, es sei unspektakulärer als gedacht. "40 zu werden, fand ich irritierender." Und die Jahre dazwischen? Midlife-Krise, junge Frau, kleines Kind, neues Auto? "Das habe ich alles verpasst", kichert er. "Und jetzt ist es zu spät." Statt auszuflippen, genießt er die Vielfältigkeit seiner Arbeit: Mit Doris Dörrie hat er den Film "Glück" nach einer Geschichte von Ferdinand von Schirrach gedreht. Auch als neuer TV-Kommissar ergeben sich interessante Projekte. Gezielt an der Karriere zu feilen, hat er aufgegeben. "Das funktioniert nicht. Man muss sich einfach auf das konzentrieren, was man gerade macht."