Kilian Kerner

"Früher wurde ich nur müde belächelt"

Schlamm, Bagger, Baulärm. Noch ist die neue Adresse des Berliner Modedesigners Kilian Kerner am Treptower Park nicht besonders ansehnlich. Die Schuckert-Höfe werden saniert. Doch innen ist das 400 Quadratmeter große Atelier des Designers bereits fix und fertig: Weiße Lacktische, frisch verlegtes Parkett und jede Menge Kleiderstangen, an denen die aktuelle Kollektion des 30-Jährigen hängt.

Kilian sitzt an einem Schreibtische und zeichnet. "Die alten Räumlichkeiten in Prenzlauer Berg waren zu klein", sagt er. Nun also ein Atelier in Treptow, aber nicht nur das ist neu. "In den Hackeschen Höfen eröffnen wir am 20. August unseren ersten eigenen Laden", erklärt Kilian. Im September folge dann eine weitere Ladeneröffnung im hessischen Wiesbaden.

Seit sieben Jahren gibt es das Label Kilian Kerner und es wächst stetig. Kerners Geheimrezept für den Erfolg ist schlicht: "Arbeiten, arbeiten, arbeiten." Ausgehen und sich in den angesagten Clubs der Stadt nach neuen Trends umsehen? Fehlanzeige. "Ich hatte meine wilde Phase schon, als ich in den Zwanzigern war." Früher sei er jedes Wochenende unterwegs gewesen. "Wenn ich aber heute mal fünf Jägermeister trinke, dann brauche ich auch fünf Wochen, um mich davon wieder zu erholen", sagt er lachend. Und dafür habe er weder Zeit noch Energie.

Dass Kilian Kerner in puncto Mode überhaupt so weit kommen würde, glaubte anfangs niemand. Denn bevor er seine Liebe für die Mode entdeckte, besuchte er Schauspielschulen in Köln und Berlin. Eine Schneiderlehre oder gar ein Diplom kann er nicht vorweisen. Gewissermaßen verhalf ihm die Sängerin Nena zu seinem heutigen Beruf. "Auf einem ihrer Konzerte trug ich ein selbstbedrucktes T-Shirt und sie wollte es unbedingt haben", erinnert sich Kerner. Nena forderte ihn dann auf, etwas für sie zu nähen. Das war 2003. Schon zwei Jahre später zeigte Kerner seine erste Kollektion auf der Modemesse "Bread & Butter". "Man belächelte mich müde, und es hieß, der ist doch sicher in zwei Jahren wieder weg vorm Fenster." Doch weit gefehlt. Zurzeit sitzt Kerner an seiner 14. Kollektion. Er resümiert, "ohne Berlin hätte ich das nie geschafft."

Berlin sei die Modemetropole, die jungen Kreativen wie ihm eine Chance gibt. "Ohne den Hype um die Stadt und die Fashion Week wäre ich heute sicher nicht da, wo ich bin", sagt Kilian Kerner.

Sein nächstes großes Ziel: Irgendwann in New York eine Show zeigen. Ein international erfolgreiches Model für seine Klamotten hat er auch im Kopf. " Kate Moss ist schon lange meine Fashion-Ikone", sagt Kerner. Als er einmal in London war, wollte er sogar ein Paket mit seinen Sachen über den Zaun ihres Anwesens werfen. "Aber ich hatte dann keine Zeit." Vielleicht klappt es ja beim nächsten London-Besuch. Kate Moss trägt Kilian Kerner - das wär's natürlich.