Cassandra Steen

Von Tanz zu Tolstoi und zurück

Damit Cassandra Steen in ihrem neuen Video "Tanz" gefühlvoll wirken kann, braucht die Sängerin Tolstoi. Der verkürzt ihr mit "Krieg und Frieden" die Wartezeit, bis die Kamera steht, bis das Licht stimmt und das Playback läuft - auf dem zugigen Dach der Musikfirma Universal an der Stralauer Allee.

Die Location ist die letzte an diesem Drehtag, einem von insgesamt vier in Berlin. Und der Schwenk vom Buch zum bewegten Bild gelingt der Sängerin immer wieder schnell. Der Mann von der Maske zupft am Haar, die Stylistin zieht am Kleid. Es folgen ein paar Schritte Richtung Dachkante, Richtung Sonnenuntergang und los geht's. Unten rauscht der Feierabendverkehr, oben auf dem Dach wiegt sich die Sängerin gekonnt im Wind. Hinter ihr taucht die Sonne langsam in die glitzernde Spree. Das Bild passt. Der Song, eine Mischung aus gefühlvoller Ballade und Clubtrack, beschreibt den Zauber des Moments, das sich Fallenlassen in die Musik. "Ich tanz so lang die Welt sich um mich dreht..." heißt es melodisch immer wieder. Und zwischendurch ziemlich zackig: "Ja. Und die Arme hoch!" Was klingt, wie die Befehle einer strengen Fitnesstrainerin, sind die Anleitungen der Choreografin, die neben dem Kameramann spiegelverkehrt die Bewegungen ihres Schützlings imitiert. Sehr begeistert, sehr versunken und sehr irritierend für ungeübte Beobachter des Drehs. Der läuft ziemlich gut, genau wie zuvor im Cassiopeia-Club im Friedrichshain. Schon nach den ersten Aufnahmen sind Manager und Regisseur zufrieden. Trotzdem gucken sie etwas abseits noch weitere zehn Versuche lang kritisch auf den kleinen Monitor.

Cassandra Steen steht nicht zum ersten Mal für einen Videodreh auf dem Universal-Dach und auch der zunehmend kalte Wind stört sie kaum, sagt sie lächelnd. "Das Schwierigste am Drehen ist, wenn es heiß ist und man viel anhaben muss. Oder es ist kalt und man muss leicht bekleidet irgendwo rumstehen." Wirklich warm sieht ihr rotes Abendkleid jedenfalls nicht aus. Doch die 31-jährige Stuttgarterin macht sich warme Gedanken. Wenn die neue Single "Tanz", die zweite Auskopplung aus dem aktuellen Album "Mir so nah" am 5. August in die Läden kommt, stehen nur noch ein paar Auftritte an, bevor es eine Woche lang nach Griechenland in den Urlaub geht.

"Ich bin aber auch oft in Berlin", erzählt sie zwischendurch. Beruflich und um Freunde zu besuchen. "Vielleicht lege ich mir mal eine Zweitwohnung an der Spree zu", überlegt Cassandra Steen. Bis dahin ist das Soho House ihr "zweites Wohnzimmer". Die Berliner Nächte verbringt sie gern im "Asphalt Club" oder im "Gorki Park". Zum Ausgehen hat die erfolgreiche Sängerin und einstige "Glashaus"-Frontfrau wenig Zeit. Wenn sie unterwegs ist, hört Cassandra Steen gern Musik von Ashanti und Jay Z .: "Mit dem würde ich auch gern mal singen."