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Der Vorzeige-Kreative der Hauptstadt

Kommende Woche steht ganz Berlin wieder im Zeichen der Mode. Rund 40 Designer werden im weißen Zelt vor dem Brandenburger Tor ihre Kollektionen präsentieren. Die Messen "Bread and Butter" und "Premium" spülen ein internationales Fachpublikum in die Stadt.

Einer, der von der ersten Stunde an dabei war, ist der Designer Michael Michalsky. Bereits 2007 präsentierte er seine erste Kollektion im Roten Rathaus. Anlässlich der Modewoche haben wir den international agierenden Modemacher gebeten, die Beilage der "Berliner Illustrirten Zeitung" zu gestalten, die der Sonntagsausgabe beiliegt (das große BIZ-Rätsel finden Sie deshalb ausnahmsweise auf der Seite 26).

Es war eine ganz besonderes Projekt, eines, das auch Michael Michalsky (44) so noch nicht erlebt hat. Der Mann ist Perfektionist, einer, der mit anderen ringt - um das beste Produkt. Und so macht er es sich auch nicht einfach bei der Gestaltung der "Berliner Illustrirten Zeitung". Da wird um jede Zeile gerungen, jedes Detail überlegt, um jede Layout-Änderung gefeilscht. Und dann kommt der Satz: "Ihr Zeitungsleute bleibt ja ganz schön cool. Bei meiner Modenschau zicken sie gerade alle ein bisschen." Dabei grinst er.

Michalsky hat sich das Thema "Toleranz" als Motto für die Zeitung ausgesucht. "Toleranz gehört für mich zur Lebenseinstellung - und auch zu Berlin", so der Designer. Es gab eine Zeit, da war Michalsky (44) vielen Berliner Kollegen zu laut, zu krachig, zu selbstbewusst. Da verzog man das Gesicht, wenn von seinen Auftritten bei der Berliner Fashion Week die Rede war. Mussten es große Hallen wie der Friedrichstadtpalast sein oder das Tempodrom? Mit 1600 Gästen, einer Band und Erstaufführungen von Hollywoodfilmen? Ja, musste es. Inzwischen ist Michalsky trotz oder vielleicht gerade aufgrund dessen die Nummer eins unter den Berliner Designern. Die "Wirtschaftswoche" nannte ihn kürzlich "Berlins Vorzeige-Kreativen". Michalsky ist seinen Weg gegangen, ohne sich allzu sehr von Kritik beeindrucken zu lassen. Die ewige Leier, ob sich Berlin mit Paris, Mailand oder New York messen könne, ignorierte er einfach. Er glaubte an die Stadt und ließ sich nie beirren. "Wir können uns überhaupt noch nicht vorstellen, wie toll Berlin mal werden wird. Ich wohne erst fünf Jahre hier, aber in diesen fünf Jahren ist soviel passiert. Genau so ist das mit der Fashion Week. Als es anfing, haben die Leute darüber gelacht. Inzwischen haben wir 40 Shows." Der Weg dahin war lang.

Geboren wurde Michalsky in Göttingen, zur Schule ging er in Bad Oldesloe. Nach dem Abitur geht er an das Londoner College of Fashion. Sein Durchbruch erfolgt beim Sportartikel-Hersteller Adidas. Dort zieht er als Creative Director Kooperationen an Land, die bis heute erfolgreich sind.

Stella McCartney bringt er in seiner Zeit als Designchef dazu, Sport- und Yogaklamotten zu entwerfen, die man auch abends im Club tragen kann. Der japanische Modedesigner Yohji Yamamoto macht die Designfreaks glücklich und mit der Rapperin Missy Elliot deckte er den Markt der Hip-Hopper ab. Sein größter Coup war die Neuauflage alter Modelle als Retro-Linie. Adidas schafft es mit ihm, endlich wieder cool zu sein. Auch die angestaubte Marke MCM soll er wieder aus der Versenkung holen. 2005 wird er bei dem 1976 gegründeten Münchner Traditionshaus der Kreativchef. Seine limitierte Turnschuhreihe, die in Kooperation mit dem Label entstand, ist in Asien nur noch über eine lange Warteliste zu bekommen. Was Michalsky ausmacht, ist sein Geschäftssinn. Basics für eine Kaffeemarke, klar doch. Ein Design für einen Waschmittelhersteller, warum nicht. Klamotten müssen schließlich auch gewaschen werden. Das brachte viele Kritiker dazu, die Nase über ihn zu rümpfen. Trotzdem existiert seine 2006 ins Leben gerufene Michalsky AG immer noch.

Karl Lagerfeld sagt im Interview mit dem "Zeit"-Magazin über Michalsky: "Die Berliner Modewoche - offen gestanden interessiert mich das nicht. Ich bin mit dem Designer Michalsky befreundet, den kenn ich noch aus der Zeit, als er bei Adidas war. Mit ihm verbindet mich etwas. Den Michael mag ich."