Schauspielerin Franziska Weisz

"Ich wurde mit Fernweh geboren"

In ihrer Modelagentur war Franziska Weisz eine Karteileiche. Niemand buchte sie, die Agenten waren am Verzweifeln. Um die junge Abiturientin von ihrem Berufswunsch Model letztendlich abzubringen, schickten sie sie zum Film.

"Wahrscheinlich haben die mich aus purer Verlegenheit zu einem Filmcasting für ,Kommissar Rex' geschickt, bei dem nach einer blonden Leiche gesucht wurde. Ich war empört, ging aber hin", erinnert sich die 31-jährige Österreicherin. An der Seite des bekannten TV-Schäferhunds sah man Weisz dann allerdings doch nicht vor der Kamera. Der Caster schlug sie kurzerhand für eine andere Rolle vor, und Regisseur Ulrich Seidl besetzte sie für seinen Film "Hundstage".

Nach den Dreharbeiten konzentrierte sich Weisz jedoch nicht weiter auf die Schauspielerei. Diesen Traum, dachte sie, hätten zu viele. "In meinem Elternhaus herrschte die Einstellung: 'Aha, Schauspielerin ist die ... und gelernt hat sie nichts Anständiges?'" Deshalb entschied sie sich für ein Studium und zog ins ferne London. "Ich wurde mit Fernweh geboren", erklärt Weisz ihre Entscheidung. In der Metropole an der Themse macht sie ihren Master im Fach Internationale Beziehungen und Medien.

Zurück in Wien, stand schnell fest, dass sie wieder wegmusste - und doch Schauspielerin werden wollte: "Ich kannte in Berlin nur eine einzige Person. Die sagte: 'Wenn du Schauspielerin werden möchtest, dann komm hierher. Hier tut sich einiges.'" Doch anfangs war die Hauptstadt für Weisz eine herbe Enttäuschung. "Ich war 2005 für zwei Tage zur Berlinale hier. Es war Februar, Berlin war grau und nass. Ich wurde in den zwei Tagen von einem Taxi ins nächste gesetzt und bekam von der Magie der Stadt nichts zu spüren", erzählt sie. Trotzdem wagte sie den Umzug, der Anfang war schwer. Mittlerweile hat Weisz in Berlin mehr Freunde als anderswo auf der Welt und will aus ihrem Kreuzberger Kiez nicht mehr weg. Mit ihrem Freund, dem österreichischen Verleger Christian Reiner (49), führt sie eine Fernbeziehung. Kinder sind bislang kein Thema, ebenso wenig wie der Altersunterschied von 18 Jahren. "Von außen sieht man vielleicht diesen Unterschied. Wenn man die Beziehung lebt, ist er weg. Wenn man darüber stolpert, dann ist vermutlich etwas anderes faul."

Mit den Liebesszenen, die Weisz des Öfteren vor der Kamera spielen muss, hat Reiner keine Probleme. "Er ist nicht eifersüchtig", sagt die Schauspielerin, die am 13. Juni (20.15 Uhr, ZDF) in der Verfilmung des Romans von Johannes Mario Simmel "Niemand ist eine Insel" an der Seite von Iris Berben und Henning Baum zu sehen sein wird. "Große Gefühle kommen bei solchen Szenen ohnehin nicht auf. Ich habe noch nie gehört, dass sich jemand während der Liebesszene in den Filmpartner verliebt hat", sagt sie und erzählt von einem ganz anderen Problem der Intimität vor der Kamera: "Dann erscheinen einem die Problemzonen plötzlich ozeanisch, weil man fürchtet, dass zehn Teammitglieder drauf starren." Das Schlimmste aber sei, dass "früher oder später meine Mutter das Ganze sehen wird".