Fernsehen

Heckenschnitt und Mörderjagd

Es sieht wie eine Observation aus, handelt sich aber nur um ein Telefoninterview. Ulrike Kriener sitzt nicht als "Kommissarin Lucas" im Auto gegenüber vom Blumenladen am Stadtrand von München, sondern als Schauspielerin, die den Wochenendeinkauf kurz unterbrochen hat, um über ihre Rolle zu sprechen.

Und das ist gut für den Mann, der unwirsch an die Seitenscheibe klopft, um die 56-Jährige vom Parkplatz des angrenzenden Wirtshauses zu verscheuchen. Denn während Ulrike Kriener vorsichtig mit dem Handy am Ohr um Verständnis bittet ("Fünf Minuten?"), wäre ihr TV-Alter Ego sicher ausgestiegen und hätte ganz direkt gesagt, was es von der Störung hält: "Sagen sie mal, Sie Wichtigtuer, haben sie eigentlich einen an der Waffel?"

Seit acht Jahren verwandelt sich Ulrike Kriener regelmäßig in die spröde Regensburger Kommissarin, die am heutigen Sonnabend um 20.15 Uhr ihren 15. Fall löst. "Gierig" heißt die neue Folge des beliebten ZDF-Samstagskrimis, der sich um einen Mordfall zwischen Steuersündern und kriminellen Bankern dreht. Nicht nur das Thema Steuerhinterziehung ist neu, auch der Regisseur. Ralf Huettner , der schon Florian David Fitz' "Vincent will Meer" in Szene setzte, hat sich der Krimiserie angenommen. Die stetigen Erneuerungen sind es, die Kriener seit 2003 nicht genug von ihrer Kommissarin bekommen lassen: "Wenn ich merken würde, es entwickelt sich nicht mehr, dann würde ich sagen, lassen wir das", erzählt sie. "Aber im Moment ist es noch eine Freude. Ich fahre gern nach Regensburg, weil die Rolle sich immer wieder verändert." Vor allem mag sie es, wenn Ellen Lucas privat verstört ist: "Wenn sie unglücklich in einen verheirateten Mann verliebt ist oder so. Ich mag das als Teppich, auf dem die anderen Dinge passieren."

Viel gemein hat die charmante Schauspielerin nicht mit ihrer großmäuligen Fernsehfigur. Nichts liegt der gebürtigen Bottroperin ferner als deren autoritäre Art, mit Leuten umzugehen. "Ich erspiele das. Ich bin froh, wenn eine Rolle weit von mir weggeht", sagt Kriener, die derzeit in Hamburg und Umgebung für "Nägel mit Köppen" vor der Kamera steht. Das Drehbuch zur Fortsetzung des Films "Butter bei die Fische" hat erneut ihr Mann Georg Weber geschrieben. Am Entstehungsprozess war sie beteiligt: "Wir haben viel geredet." Sonntag gehen die Dreharbeiten weiter, deshalb sitzt Ulrike Kriener ausnahmsweise nicht vorm Fernseher, sondern im Flugzeug, wenn "Kommissarin Lucas" läuft. Vorher hat sie noch im Garten zu tun. Dreizehn Buchskugeln beschneiden, Beete jäten. "Ich lebe gern draußen. Die erste Tasse Kaffee am Morgen nehme ich immer mit und gehe über den noch taufrischen Rasen. Dann gucke ich, wie alles wächst", beschreibt sie ihre ganz persönliche Entspannungstherapie. Ulrike Kriener mag es leise, aber bestimmt - auch als Schirmherrin des ambulanten Kinderhospizes der Malteser in München, für das sie sich seit Jahren engagiert. Erst Mitte September wird sie wieder laut - als Kommissarin Lucas, dann bereits zum 16. Mal.