Ausstellung

"Ein liebevoller Blick auf das Grauen"

Beim Künstlergespräch zur Ausstellung "Alles Kannibalen?" im "me Collectors Room" an der Auguststraße 68 in Mitte trägt Oda Jaune (31) eine sommerliche weiße Bluse und lächelt sanft.

Dass sich hinter ihrem mädchenhaften Äußeren auch eine dunkle Seite verbirgt, wird bei einem Blick auf ihr Gemälde deutlich: Hautfetzen liegen auf einer Wiese, ein herausgerissenes Herz ist zu sehen. Eine wüste Szene. "Meine Inspiration waren zwei bulgarische Märchen", erzählt die in Sofia geborene Künstlerin, die mit dem 2007 verstorbenen Maler Jörg Immendorf verheiratet war. "Die Geschichten sind brutal, aber haben auch eine eigene Schönheit." Ursprünglich sei es ihr nicht um Kannibalismus gegangen. "Ich wollte eine Landschaft malen. Erst dann kamen die Menschen hinzu." Oda Jaune bewegten beim Malen die Fragen: Was ist der Körper? Was ist das Innere? Was ist die Seele? "Ich sehe in meinem Bild viel Liebe", erklärte sie im Gespräch mit Kuratorin Jeanette Zwingenberger. "In einem der Märchen reißt sich die Mutter das Herz heraus und schenkt es ihrem Sohn. Sie opfert einen Teil von sich. Das fand ich faszinierend." Jaune sagt, sie wolle "einen liebevollen Blick auf das Grauen" werfen. Liebevolle Blicke erntet sie während der Diskussion mit ihren Künstlerkollegen Norbert Bisky, Ralf Ziervogel und Sandra Vasquez de la Horra auch aus dem Publikum: Unter den zahlreichen Gästen steht der Berliner DJ Fetisch, der aufmerksam zuhört. Die Künstlerin und der DJ sind seit über zwei Jahren ein Paar.

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