Schauspielerin

Den richtigen Dreh gefunden

Für ihre Rollen in "Das Parfum" von Tom Tykwer (2006) und "Im Winter ein Jahr" von Caroline Link (2008) ist Karoline Herfurth mehrfach als beste Newcomerin ausgezeichnet worden. Dem Status der Nachwuchsschauspielerin ist die 27-jährige Berlinerin inzwischen entwachsen.

Herfurth hat sich als eine der wichtigsten deutschen Darstellerinnen ihrer Generation etabliert. Nun spielt sie in Hans Steinbichler s "Das Blaue vom Himmel" (Kinostart 2. Juni) die junge Deutsch-Lettin Marga, die sich 1939 aus verzweifelter Liebe zu einem folgenreichen Verrat hinreißen lässt. "Am Wichtigsten ist für mich, dass die Figur eine Herausforderung für mich darstellt", sagt Herfurth. "Das können ganz unterschiedliche Dinge sein: Mal muss ich eine Sportart lernen, mal ist ein Regisseur besonders spannend, oder es handelt sich um ein Thema, eine Zeit, die mir interessant erscheint. Wichtig ist mir, Wege zu gehen, die ich als Schauspielerin zuvor noch nicht gegangen bin."

In "Das Blaue vom Himmel" schlüpft Herfurth erstmals in die Rolle einer Ehefrau und Stiefmutter. "Die Szene mit dem Baby war eine besondere Herausforderung. Abgesehen davon, dass ich zuvor weder im richtigen Leben noch vor der Kamera ein Kind gestillt hatte. Ich musste spielen, dass ich das Kind verabscheue. Wenn man aber ein vier Wochen altes Baby auf dem Arm hat, kommen in einem nicht automatisch solche Gefühle hoch, sondern es wird ein purer Beschützerinstinkt ausgelöst. Man will einfach nur, dass es diesem kleinen Wurm gut geht", sagt die Schauspielerin.

Schwierige Situationen gab es für die 27-Jährige während der Dreharbeiten mehr als einmal. "Es gab eine Szene, in der ich mich unter einen Zug legen musste, der über mich hinweg fuhr. Das war schon sehr aufregend. Fast schlimmer aber war, dass ich in einen Heißluftballon steigen musste, und das bei meiner großen Flugangst", erzählt sie. Geholfen hat ihr über hoch den Wolken die Anwesenheit der Kamerafrau Bella Halben , mit der sie schon "Eine andere Liga" und "Im Winter ein Jahr" gedreht hat. "Es gibt nur wenige Menschen, denen ich derart vertraue wie ihr. Dadurch war es für mich etwas leichter". Herfurth, die in Pankow zur Welt kam und mit sieben Geschwistern aufwuchs, hat 2008 ihren Abschluss an der Ernst-Busch-Schauspielschule in Berlin gemacht. Inzwischen studiert sie neben ihrer Arbeit Sozialwissenschaften an der Humboldt-Universität. Allerdings nur in Teilzeit. "Die Schauspielerei ist mein Beruf, und der hat natürlich Priorität. Wenn ich Zeit habe, studiere ich, wenn nicht, muss das Studium so lange hinten angestellt werden. Normalerweise macht man den Bachelor in drei Jahren, ich habe dafür sechs Jahre Zeit. Es hat eine Weile gedauert, bis ich die Balance heraus hatte, was ich neben der Filmarbeit noch schaffen kann. Inzwischen habe ich den richtigen Dreh für mich gefunden."