Dokumentation

Ein Narziss und sein Denkmal

Nach der Neuwahl-Pleite 2005 wollte er nicht als "Denkmal meiner selbst auf den Hinterbänken sitzen". Der damalige Außenminister Joschka Fischer (63) verabschiedete sich aus der Politik. Am Donnerstagabend wurde ihm das Denkmal aber gesetzt.

Die vorab von Kritikern als "Narzissmus auf höchstem Niveau" kritisierte biografische Dokumentation "Joschka und Herr Fischer" feierte im Delphi Filmpalast am Zoo Premiere. "Den fertigen Film habe ich noch nicht gesehen. Nur den Rohschnitt", sagte Fischer, bevor er in den Saal ging, um es sich im Kinosessel bequem zu machen. Sein erster Gedanke dabei: "Mein Gott, bist du alt geworden." Dass der Film nicht auf sein Privatleben eingeht, erklärt sich für den Hauptprotagonisten von allein: "Das Wesen des Privaten ist, dass es privat ist." Ein wenig davon gezeigt hat er am Abend dennoch. Mit seiner fünften Ehefrau, Produzentin Minu Barati-Fischer (35), kam er nach Charlottenburg, auch wenn er lieber mit dem Regisseur, dem Oscar-prämierten Pepe Danquart ("Höllentour", 2004, über die Tour de France) posierte. Dass sie den Film nicht gemacht hat, störte Barati-Fischer, die den Streifen noch nicht gesehen hat, nicht: "Ich mache keine Dokumentarfilme. Zweitens stellen sich dann schnell Fragen." Bei der Frage, ob sie sich vorstellen könne, mit dem Film neue Seiten an ihrem Mann zu entdecken, zeigte sie sich realistisch: "Ich befürchte, nicht."

Zur rund zweieinhalbstündigen geballten Ladung Fischer-Gedenken kamen auch die Regisseur Rosa von Praunheim , Tom Tykwer und Oskar Roehler, Autor Wolfgang Kohlhaase , Opernstar Nadja Michael und der Präsident der Akademie der Künste, Klaus Staeck . "Ich komme, weil ich die Arbeit von Pepe Danquart sehr schätze. Joschka Fischer ist für mich eher das Beiwerk", sagte Staeck. Größere Fans fand Fischer in seinen auch anwesenden alten Parteifreunden wie Renate Künast und Cem Özdemir sowie dem ehemaligen Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier .