Udo Lindenberg

"Hinterm Lebenswerk geht's weiter"

Käme ein 08/15-Prominenter auf die Idee, seinen Wohnsitz in ein Nobelhotel zu verlegen, nur noch mit Hut und Sonnenbrille vor die Tür zu gehen und Nuschel-Interviews zu geben, würde er wohl in der Luft zerrissen.

So was darf sich nur einer wie Udo Lindenberg erlauben. Also ein Mann, der die deutsche Rockmusik geprägt hat wie kein zweiter - und in seinen rund 40 Jahren im Geschäft immer wieder für eine musikalische Überraschung gut war. Am heutigen Dienstag wird Udo Lindenberg 65 Jahre alt.

Wer diese sechs Jahrzehnte Revue passieren lässt, stößt auf allerlei kuriose Geschichten. Da gab es etwa eine geheimnisumrankte Reise nach Paris, bei der er von der zurückgezogen lebenden Marlene Dietrich zwei auf Tonband gesungene Lieder ergatterte - ihre letzten Aufnahmen. Gern strickt der Musiker auch an den Legenden um seine Person mit. Hatte mancher gemutmaßt, Lindenberg verstecke unter seinem Schlapphut einen lichten Haarschopf, so spricht er von einer Narbe, die ihm eine verlassene Geliebte mit einem Messer zugefügt habe. Auch mit Nena verband ihn eine leidenschaftliche Affäre. Lindenberg, das bedeutete eben auch ein Leben auf der Überholspur. "Immer zwischen Notarzt und großer Bühne", sagte er, der sich nach einem Herzinfarkt Ende der 80er-Jahre wieder aufrappelte. Auch in seinen Texten spielt er immer wieder auf Frauengeschichten und Alkoholexzesse an.

Ein fulminantes Comeback-Album "Stark wie zwei", ein Musical mit seinen Liedern: Lindenberg wäre nicht Lindenberg, wenn er es dabei beließe. Er engagiert sich weiter gegen Rechtsextremismus und hat zur Förderung junger Texter und Musiker eine Stiftung gegründet. Nebenbei arbeitet er als Künstler, gestaltet "Likörelle", mit Likör eingefärbte Malereien. "Einen auf Museum" wolle er nicht machen, sagte Lindenberg kürzlich: "Hinterm Lebenswerk geht's weiter."