Ausstellung

Die Botschaft der Kunst

Gucci. Louis Vuitton. Prada. Der große Saal in der italienischen Botschaft sieht momentan aus wie ein Taschenladen. Ordentlich in Dreierreihen, mit dem Henkel nach hinten, stehen die treuen Begleiter der Damenwelt auf dem Boden.

Schwarz und weiß und braun. "Das wäre mein Traum, all diese Taschen zu besitzen", gesteht Elena Valensise lachend. Auch wenn es auf den ersten Blick so aussieht - die Ehefrau des italienischen Botschafters Michele Valensise hat nicht etwa aussortiert. Der 27 Jahre alte Künstler Alex Auriema hat die Kopien der Designertaschen so hingestellt. Oder besser: kunstvoll drapiert. Sein Projekt "Economy of Dissonance" über Wahrheit und Fälschung ist Teil des dritten Zyklus der Ausstellungsreihe "Italiens", der am Montagabend in der Residenz am Tiergarten eröffnet wurde. Der Titel ist ein Wortspiel aus den englischen Begriffen für Italiener und Außerirdische.

Die Schau hat das Ziel, junge italienische Künstler, die in Berlin leben und arbeiten, zu fördern. Sechs Monate lang sind die Arbeiten von zehn Kreativen, darunter erstmals auch die eines deutschen Künstlers mit Stipendiat in Italien, Via Lewandowsky , jeweils montags nachmittags in den Repräsentationsräumen der Botschaft zu bestaunen. Und nicht nur da. Auch im Keller und im Innenhof regiert jetzt die Kunst. Das ist neu. Der Gang in die Krypta offenbarte den neugierigen Gästen der Vernissage, unter ihnen Kunstsammler Peter Raue sowie Publizistin Lea Rosh, den "Weg zur Freiheit". Die Highspeed-Videoinstallation von Christian Niccoli zeigt den freien Fall. Mit 2000 Bildern pro Sekunde und eigens komponierter Musik. Im Eingangsbereich haben die Carabinieri Konkurrenz bekommen. Dort, wo sie sonst Wache schieben, leuchten "Samurai" von Alessandro dal Pont . Die Installationen aus Licht, Marmor und Holz seien "eine Hommage an die klassische Skulptur", so der stolze Künstler. Auch der Hausherr war mehr als zufrieden: "Mit der Ausstellung zeigen wir, wie kreativ unser Land ist. Wir wollen aus unserem Haus einen Treffpunkt für die deutsche und italienische Gesellschaft machen. So muss eine moderne Botschaft aussehen." Und so hängen alte römische Wandteppiche unweit von Federico Pietrellas Werk. Er hat vom 19. Januar bis zum 11. Februar fleißig gestempelt. Im Großformat. Mit Abstand betrachtet, ergibt sein Bild aus Datum-Stempeln das Reiterstandbild Friedrichs des Großen Unter den Linden. "Großartig. Aber der Fernsehturm steht zu weit links", bemerkte Michele Valensise. Künstlerische Freiheit liegt seit sieben Monaten auch auf dem Konferenztisch - zur Freude der Putzfrau. Sie muss um den "Nicht abgeschickten Brief", ein kupfernes Überbleibsel des letzten Ausstellungszyklus', höchst kreativ herumwischen.