Gourmet-Preis

Das große Spitzenkochen

Die Weisheit "Viele Köche verderben den Brei" gilt hier wohl kaum: In dieser Woche trafen sich Berlins Sterneköche Michael Hoffmann (Margaux), Michael Kempf (Facil), Matthias Diether (first floor), Thomas Kammeier (Hugos) und Hendrik Otto (Lorenz Adlon) im Hotel Maritim Berlin an der Stauffenbergstraße und tauschten sich über ihre gemeinsam geplante Gala zum "Großen Gourmetpreis" aus.

Eine echte Premiere.

Jeder der Küchenchefs soll am 19. Juni einen Gang zu einem Sieben-Gänge-Menü für etwa 250 Gäste im Hotel Maritim beisteuern. Den sechsten Gang kocht Berlins einziger Zwei-Sterne-Koch Christian Lohse (Fischers Fritz), der bei dem Treffen jedoch fehlte, weil er wegen Film-Dreharbeiten verhindert war. Den letzten Gang übernimmt der Stargast des Abends: Drei-Sterne-Koch Dieter Müller , der sein Restaurant jetzt auf dem Luxuskreuzfahrtschiff MS Europa führt. Nach dem Menü wird dann verkündet, wer den erstmals in der Hauptstadt ausgelobten "Großen Gourmetpreis" gewinnt. Konkurrenz ist trotzdem kein Thema: "Wir haben alle schon miteinander gearbeitet und verstehen uns gut", sagt Matthias Diether. Bei der Abstimmung der Speisenfolgen sei es lediglich darum gegangen, dass die Gänge miteinander harmonieren und dass es keine Doppelungen bei den Zutaten gibt.

In Hamburg wird der Preis in diesem Jahr bereits zum neunten Mal verliehen, und auch in Mecklenburg-Vorpommern und in anderen Bundesländern ist diese Auszeichnung und die Verleihung schon so etwas wie eine Institution. Anders als bei den "Berliner Meisterköchen", bei denen eine Jury aus Gastrojournalisten die besten Köche, Nachwuchstalente, Sommeliers und Maitres wählt, wird die Auszeichnung der "Große Gourmetpreis" durch ein spezielles Punktesystem errechnet, dem die Ranglisten der Restaurantführer Michelin, Varta, Gault Millau, Schlemmeratlas, Gusto und Feinschmecker zugrunde liegen. Das Punktesystem verspricht eine ausgewogene Bewertung, lässt aber auch wenig Raum für Überraschungen.

Bei den Starköchen kommt untereinander kein Neid auf. "Jeder von uns hat seinen eigenen Stil. Wir heben gemeinsam das Niveau", sagt Michael Kempf. Ohnehin sei der Zusammenhalt unter den Berliner Köchen bundesweit einzigartig, wie alle versichern. "Als ich vor elf Jahren aus Hamburg hierher kam, konnte ich es kaum fassen, wie entspannt die Köche hier miteinander umgehen. Gerade das macht den Reiz der Berliner Gastronomie aus, die ja ungeheuer vielfältig ist", sagt Michael Hoffmann. Wünsche für die Zukunft gibt es trotzdem. "Wir wollen das neue Baiersbronn werden!", sagt Michael Kempf lachend und bekommt die Zustimmung seiner Kollegen. Der Ort im Schwarzwald gilt als "Sterne-Dorf", weil es dort überproportional viele gastronomische Spitzen-Adressen gibt. "Das junge Berliner Publikum ist mir dann aber doch lieber", sagt Matthias Diether. Und auch ihm widerspricht keiner.