Ausstellungseröffnung

Die andere Seite von Andy Warhol

Wim Wenders strampelte sich ordentlich für die Kunst ab - und fiel am Ziel seiner Radtour trotzdem ein wenig aus dem Rahmen.

Mit Jeans, Rucksack und zerzaustem Haar erreichte der Regisseur am Sonntag die Villa Schöningen an der Glienicker Brücke in Potsdam. Das deutsch-deutsche Museum und die Stiftung für Kunst und Kultur e.V. hatten zur Eröffnung der Ausstellung "Andy Warhol - Frühe Werke" geladen. Vom 3. Mai bis zum 24. Juli wird die Schau für alle Kunstinteressierten zugänglich sein. Am Sonntagmittag durften ausgewählte Gäste schon einmal einen Blick auf die 80 Bilder werfen. Zeichnungen, Collagen und Siebdrucke aus den 50er-Jahren, aus verschiedenen Sammlungen zusammengetragen.

"Alle Werke, die wir unbedingt haben wollten, haben wir bekommen", freute sich Aeneas Bastian , der gemeinsam mit seinem Vater Heiner die Ausstellung kuratiert. Auch Bundesaußenminister Guido Westerwelle konnte sich kaum satt sehen: "Jeder kennt die Pop-Art, jeder kennt das Marilyn-Bild, aber was hier zu sehen ist, ist nicht nur die Art-Factory. Das kann ich jedem nur empfehlen, die Schau erweitert den Horizont." Nur die Frühlingssonne musste draußen bleiben: "Der größte Feind von Papier ist Licht", erklärte Heiner Bastian die spärlich beleuchteten Räume im Obergeschoss des Hauses. Durch die schoben sich Hunderte Kunst-Fans wie Air-Berlin-Chef Joachim Hunold , Verleger Florian Langenscheidt und Fotografin Angelika Platen . Sie ist Warhol sogar persönlich begegnet, 1972 bei der Eröffnung ihrer Hamburger Galerie: "Ich sehe ihn noch immer vor mir mit weiß-blonden Haaren und einer Polaroid-Kamera, aus der dauernd Bilder rausschossen." Kunstsammlerin Ulla Pietzsch steuerte geübt durch die gut besuchte Vernissage: "Man muss dicht rangehen, sonst sieht man nichts." Wim Wenders drehte indes schon die zweite Runde und fasste einen Entschluss: "Ich werde noch mal wiederkommen. In Ruhe." Und ohne Rad.