"Wetten, dass..?"

Gottschalks Abschiedskuss

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Deutschlands TV-Unterhaltung hat ein neues Traumpaar. Nein, die Rede ist nicht von Prinz William und seiner Kate. Das frisch angetraute Paar ließ sich am Sonnabend in Offenburg auch nicht auf der berühmten Couch von "Wetten, dass..?" nieder, um der letzten regulären Ausgabe der Sendung mit Thomas Gottschalk als Moderator ein wenig von dem zu verliehen, wonach sie sich beim ZDF so verzehren: Glamour.

Was die können, können wir schon lange, dachten sich Thomas Gottschalk und seine Ko-Moderatorin Michelle Hunziker - und spielten den berühmten Hochzeitskuss des neuen Traumpaares nach.

Doch der Funke, er wollte nicht überspringen. "Du bist echt schüchtern", monierte Hunziker - nicht, ohne Gottschalks Frau im vorauseilenden Gehorsam zu beschwichtigen: "Es ist dienstlich, Thea ."

Das kann ja heiter werden, ahnte man da als Zuschauer. Eine ganze Sendung im Zeichen der königlichen Märchenhochzeit, mit Désiree Nick und Eduard Prinz von Anhalt als TV-Kommentatoren. Und tatsächlich schafften es die Gäste, die ersten 45 Minuten mit Anekdoten über die Royals und ihre Gäste zu überbrücken. Es war eine gute Gelegenheit für Thomas Gottschalk, schon mal das queen-gerechte Winken für seinen endgültigen Abschied von der "Wetten, dass..?"-Bühne im Juni auf Mallorca zu trainieren. "Immer aus dem Handgelenk winken, niemals rudern", erklärte ihm die Kabarettistin Désiree Nick, die diese Technik offenbar einst vom blaublütigen Vater ihres Sohnes gelernt hatte.

Nach diesem semi-erotischen Start gaben die Gastgeber die Bühne frei für das eigentliche Traumpaar des Abends: Marco Böhm und seine Autoreifen. Der Familienvater pflegt offenbar ein inniges Verhältnis zu Reifen. Wer sich zufällig ins Zweite zappte, als Böhm als Wettkandidat auftrat, konnte auf die Idee kommen, er hätte sich in einem jener Kanäle verirrt, in dem barbusige Damen fordern: "Ruf! Mich! An!"

Aber nein, es war nur Marco Böhm, der mit der Zunge über die Profile von Autoreifen fuhr, um zu beweisen, dass er die Dinger am Profil erkennen konnte. Konnte er nicht. Vermutlich gingen spätestens jetzt die ersten wütenden Anrufe enttäuschter Gebührenzahler ein. Aber beim ZDF drückten sie an diesem Abend beide Augen zu. "Wetten, dass..?" musste sich schließlich gegen das Halbfinale der RTL-Castingshow "Deutschland sucht den Superstar" behaupten.

Ob das dem Zweiten mit Gottschalks Gästen gelang, darf jedoch bezweifelt werden. Der Schauspieler Jan-Josef Liefers und seine Frau Anna Loos revanchierten sich für eine verlorene Wette vom Februar und sangen ein Stück von Loos' Band Silly. Die US-Schauspielerin Whoopie Goldberg ("Sister Act") warb für ein Musical nach der Vorlage der Nonnen-Klamotte. Und Dr. House ( Hugh Laurie ), der TV-Arzt, dem die Patienten misstrauen, stellte seine erste Platte vor. Der Sound passte zur Sendung. Gut gelaunter Blues. Es war Musik, wie sie Männer in der Midlife-Krise spielen, die eine neue Herausforderung suchen. Gottschalk wippte begeistert mit. Wenn er nicht aufpasst, findet er sich bald im ZDF-Fernsehgarten wieder.