Theater

Zum Absacker in die Schillerklause

Die Oper ist eine Welt für sich, denken Sie womöglich. Eine steife, verschlossene, elitäre Welt, in der sich Laien kaum zurechtfinden und in der am Ende doch nur die Bravo- oder Buhrufe zählen.

Doch nach der Premiere von Alban Bergs "Wozzeck" an der Staatsoper im Schiller-Theater bei den Festtagen 2011 wurde zunächst etwas ganz anderes gezählt. Intendant Jürgen Flimm , der die Arbeit von Regisseurin Andrea Breth an der Seite seiner Frau Susanne Ottersbach von einem Platz aus am Rand in einer der vorderen Reihen verfolgte, freute sich über "vierzehneinhalb Minuten Applaus, wenn ich richtig gestoppt habe". Soviel Beifall in der Oper - das ist selten.

Entsprechend gelöst ist die Stimmung beim Premierenempfang im Gläsernen Foyer. Sänger, Musiker, Freunde: Schauspieler Ulrich Matthes ist begeistert. "Ich habe in den 90er-Jahren an der Schaubühne mit Andrea Breth zusammengearbeitet. Ich muss sie unbedingt herzen und küssen, wo steckt sie nur?" Film- und TV-Star Jan Josef Liefers , der für sein Bühnencomeback mit "Wissen Sie, wie man Töne reinigt? Satiesfactionen" parallel zu der Arbeit an Wozzeck seinerseits auf der benachbarten Werkstattbühne geprobt hat, ist hingerissen von der "aufgeräumten Inszenierung". Aber er gibt auch zu: "Berg ist Musik für Fortgeschrittene." Es schwärmt wirklich jeder. Tatort-Kommissarin Ulrike Folkerts , die todmüde von Dreharbeiten angereist ist, gesteht: "Ich kann nicht beurteilen, ob das eine gute Aufführung war. Aber sie hat mir sehr gut gefallen." Auch Regisseur Dani Levy , der das Stück mit Texten von Georg Büchner auch seiner elfjährigen Tochter Johanna zugetraut hat, ist beseelt. Es war übrigens sein erster (!) Opernbesuch überhaupt.

Zeit für einen Ortswechsel. Flimm witzelt über seinen erschöpften musikalischen Leiter: " Daniel Barenboim hat sich schon ein Brötchen hinter die Kiemen geschoben. Das heißt, das Buffet ist eröffnet." Nebenan beim Absacker in der benachbarten rustikalen Theaterkneipe Schillerklause, zu dem Sopranistin Nadja Michael eingeladen hat, wird gefeiert. Sie eilt von Tisch zu Tisch, die Anspannung fällt ab, die Angst vor Kritik, vor mehr Buh als Bravo. Alles ist gut gegangen. Barenboim qualmt eine dicke Zigarre. "Der Stimme schadet das heute nicht", winkt die Diva ab. Wer sagt denn, es geht nicht locker zu in der Oper.