Grimme-Preis

Gottschalk gibt den ernsten Clown

Es war ein Abend, ganz wie er Thomas Gottschalk gebührt. Am Ende der 47. Grimme-Preisverleihung am Freitagabend in Marl hatte Moderator Willi Weitzel die Gala nicht nur um fast eine Stunde überzogen. Nach knapp drei Stunden gab es auch stehende Ovationen für den Entertainer Gottschalk - und mit einem Mal war wieder Stimmung im Stadttheater.

"Wir sind die einzigen Clowns hier", sagte Gottschalk an seinen Kollegen Kurt Krömer gewandt und funktionierte den Mann im karierten Anzug kurzerhand zum Rednerpult um. Da war der Grimme-Preis für Krömer, der erste an diesem Abend, schon fast wieder vergessen. Gottschalk, dagegen eher schlicht in Grau, richtete ein paar ernste, aber launig vorgetragene Worte an das Publikum. Das öffentlich-rechtliche Fernsehen habe keine Zukunft mehr, "wenn die Quotenabrechnung nur noch in Zielgruppen gemacht wird", sagte Gottschalk. Das Publikum applaudierte im Theater der Stadt Marl - wie zuvor schon dem Regisseur Dominik Graf. Auch der Filmemacher, der für seine Serie "Im Angesicht des Verbrechens" zum neunten Mal mit dem Fernsehpreis ausgezeichnet wurde, machte sich an diesem Abend stark für "gute Filme, komplexe Figuren und nachhaltiges Erzählen" ungeachtet des Quotendrucks.

Für den nötigen Glamour in der kleinen Stadt Marl am Rande des Ruhrgebiets sorgten Schauspielerin Marie Bäumer ("Im Angesicht des Verbrechens"), ihre Kollegen Nina Kunzendorf ("In aller Stille"), Miroslav Nemec und Udo Wachtveitl ("Tatort") und Jungschauspieler Frederick Lau ("Neue Vahr Süd"). Viele andere Preisträger konnten unerkannt ins Theater kommen, sorgten aber später auf der Bühne für bewegende Momente. Wie Regisseur Ali Samadi Ahadi, der für seine Dokumentation "Iran Elections 2009" ausgezeichnet wurde. Er widmete seinen Preis einer iranischen Kollegin, die in ihrer Heimat mit Berufsverbot belegt wurde, weil sie über die Hinrichtung von Kindern berichtet habe.