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Alleinerziehender mit Wunderkind

Er war mit Abstand der strahlendste und glücklichste Preisträger beim diesjährigen "Radio Regenbogen Award" in Karlsruhe: Modedesigner Wolfgang Joop. Der Potsdamer schwebte am Sonnabend förmlich über den roten Teppich.

Allerdings kam er rund eine halbe Stunde zu spät zur Gala. Aus gutem Grund: "Ich hatte lange Verhandlungen, hing sogar am Flughafen noch am Telefon. Aber soeben ist der Knoten geplatzt. Ich habe mein ,Wunderkind' zurück. Zu 100 Prozent. Es ist jetzt wieder ganz meins. Für mich ist das deshalb heute ein Glückstag", sagt der 66 Jahre alte Modeschöpfer. "Dazu waren aber wie gesagt viele Verhandlungen nötig." Wie wird es mit dem von ihm 2003 gegründeten Label "Wunderkind" jetzt weitergehen, nachdem er alle Anteile zurückgekauft hat? "Ich stehe jetzt erst einmal als Alleinerziehender da und trage eine große Verantwortung. Ich muss mir die nächsten Schritte sehr genau überlegen. Ich spiele in der obersten Liga. Ich muss jedes Mal ein Tor schießen, anders geht es nicht. Wenn man das nicht kann, dann bleibt man besser zu Hause. Ich bin sehr dankbar für die vielen Chancen, die man mir im Leben gegeben hat. Aber man muss diese Chancen natürlich auch annehmen. Auch ich musste mich immer wieder durchkämpfen. Aber ich glaube, dass Mut immer belohnt wird." So auch an diesem Abend, als er zum "Medienmann 2010" ernannt wurde und den Preis aus den Händen von Topmodel Eva Padberg überreicht bekam. Joop war sichtlich gerührt: "Der Regenbogen ist in der Bibel das Symbol der Versöhnung. Es gibt so viele Feierlichkeiten, die ich meide. Ich habe die Begründung für diesen Preis gelesen und die lautete, dass ich nach einem Jahr voller Schicksalsschläge den Mut nicht verloren habe. Das fand ich sehr bewegend." Bei aller Freude - lange feiern wollte er nicht: "Ich glaube, ich habe die Kraft dazu gar nicht", meinte er schmunzelnd. "Denn es ging diesem Moment wie gesagt eine Zeit voller Sorgen voraus." Passend zum alleinigen Sorgerecht trug Joop "Wunderkind": "Ich habe mir noch nie im Leben Kleidung machen lassen."

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