Schauspielerin

Paula Beer ist seine neue Hannah Herzsprung

Richy Müller, Edgar Selge, Jeanette Hein: Die großen Namen für "Poll" (seit 3. Februar im Kino) waren schnell klar, die Drehorte in Deutschland, Österreich und Estland auch, nur die Suche nach der kleinen Hauptdarstellerin gestaltete sich schwierig.

Gefunden hat Regisseur Chris Kraus sie schließlich auf dem Flur eines Berliner Gymnasiums: Paula Beer .

"Ich wollte nur kurz auf den Vertretungsplan schauen", erinnert sich die 16-Jährige an den Tag im Jahr 2009, der ihr Leben veränderte. "Ich war auf dem Weg zurück in den Unterricht, als diese Frau mich ansprach." Diese Frau war Kindercasterin Britt Beyer . Sie wurde auf die Suche geschickt, als Chris Kraus die ungewöhnliche Entscheidung getroffen hatte, die 14-Jährige in seinem Film von einer 14-Jährigen spielen zu lassen. "Man hätte natürlich auch eine 17- oder 18-Jährige mit einschlägiger Erfahrung als Schauspieler nehmen können", so Kraus. Aber das wollte er nicht. Er wollte es authentisch. "Mit Paula war es ein bisschen wie mit Hannah", erzählt Kraus, der vor fünf Jahren Hannah Herzsprung für seinen Film "Vier Minuten" entdeckt hat. Der Film "Poll" erzählt vom Sommer 1914 in der ostpreußischen Provinz. Die 14-jährige Oda von Siering zieht nach dem Tod ihrer Mutter auf den Landsitz des Vaters. Als sie einen verwundeten estnischen Anarchisten findet, beschließt sie, ihn heimlich gesund zu pflegen - und verliebt sich.

"Weil Paula bis dato nicht so viel schauspielerische Erfahrung hatte wie andere Kandidatinnen, war sie nicht immer unbedingt die Beste, was Technik oder Schnelligkeit anbelangte. Aber man spürte ihr sehr großes Talent. Ich fand interessant, wie sie an die Rolle heranging."

Der Film ist für den Regisseur ein echtes Herzensprojekt - nicht nur, weil er selbst das Drehbuch geschrieben hat: Oda von Siering, die im wahren Leben Oda Schaefer hieß, war seine Großtante. "Ich bin zufällig während meines Literaturstudiums in Mannheim über einen Gedichtband von ihr gestolpert. In meiner Familie war bis dahin nie über Oda gesprochen worden wegen ihrer sozialistischen Überzeugungen. Ich aber versuchte von da an herauszufinden, was Oda Schaefer für ein Mensch war." Zwanzig Jahre beschäftigte Kraus sich mit Odas Geschichte, suchte Spuren und Sponsoren und fand schließlich willige Produzenten für einen der teuersten, europäischen Filme des Jahres 2010 mit über 1000 Komparsen und einem eigens für den Dreh ins Meer gebaute Schloss. Paula Beer hat ihr Debüt Lust auf mehr gemacht: "Ich fände es wirklich schön, wieder einen Film zu machen. In diesem Jahr werde ich aber erst mal mein Abitur angehen."