Uwe Kröger

"Musicals werden in Deutschland zu wenig beachtet "

Der Titel erinnert an Wodka. "Absolut Uwe" heißt eine Konzert-Revue, mit der Uwe Kröger (45) am 25. November im Admiralspalast auftritt. "Es ist ein kleiner Streifzug durch meine musikalische Welt. Ich öffne meine musikalische Schatzkiste und mache einen Abend im Stil von Harald Juhnke oder Heidi Brühl", sagte Kröger.

"Und ich versuche außerdem zu zeigen, dass hinter einem Musicaldarsteller eine Person steckt." In Amerika, England oder Südkorea begegne man der populären Theaterform Musical mit Anerkennung und Wahrnehmung, nicht aber in Deutschland. Eine "zentrale Plattform", so Kröger, müsse her. "Heute geht nichts ohne Fernsehen. Da fehlt eine Sendung, die sich wie in den 70er-, 80er-Jahren den großen Musicals widmet. "Es fehlt vielleicht auch ein Musical-Award, der im Fernsehen übertragen wird. Den gibt es überall auf der Welt, nur in Deutschland nicht. Das ist schade. Es fehlt ein Fernsehsender, der sagt: Wir brauchen das, das gehört zur deutschen Theater- und Musikkultur dazu. Musical kann man doch gar nicht wegdenken. Es ist weder tot, noch ist es irgendwann tot gewesen."

Kröger pendelt zwischen Darmstadt und Wien und ist mit dem Kardiologen Christopher Wolf liiert. Gibt es Hochzeitspläne? "Das ist sicherlich ein Thema. Aber wir sind jetzt seit 15 Jahren zusammen, da gibt es momentan keinen Druck." Was für ein Leben möchte Kröger mit 60 führen? "Ich habe keinen Plan. Ich bin jemand, der das aufnimmt, was gerade passiert. Ich sehe mich irgendwann schon sehr stark in der Produktion oder im Coaching oder in einer beratenden Funktion, aber im Augenblick mache ich noch so viele verschiedene Sachen... Es ist auch nicht notwendig, einen Plan zu haben. Die Dinge ändern sich sowieso ständig, da muss man dann mitgehen."

Seinen Zivildienst leistete der Westfale einst in der Jugendpsychiatrie Hamm. Woran erinnert Kröger sich, wenn er an diese Zeit denkt? "Daran, dass ich gelernt habe, mich selbst und meine Umwelt immer wieder zu hinterfragen. Man lernt viel über sich selbst, weil man ständig einen Spiegel vorgesetzt bekommt. Man beobachtet und denkt: 'Komisch, das, was der Patient gerade tut, gilt als verhaltensauffällig. Komisch, ich denke auch so, diese Dinge habe ich auch schon an mir bemerkt. Bin ich jetzt auch verhaltensauffällig, oder ist das im Rahmen?'" Sein Beruf als Musicaldarsteller verlangt Kröger Disziplin ab. "Natürlich lasse auch ich mich gerne gehen. Aber dann habe ich Kostüme, die vor einigen Jahren gepasst haben und die, wenn ich sie brauche, wieder passen können. Es geht mir besser, wenn ich Sport mache. Auch wenn ich noch so müde bin und keine Lust habe ist das, was dann an Endorphinen und Adrenalin ausgeschüttet wird, wunderschön. Das lässt mich aufleben und gibt mir sehr viel positive Energie, die ich wieder verwenden kann", resümierte der Musicalstar. Wie man sich selbst diszipliniert? "Learning by Doing, sage ich nur. Es ist kaum ein Mensch mit Disziplin auf die Welt gekommen. Disziplin hat etwas damit zu tun, dass man sich immer wieder ausprobieren muss. Bis man den Weg gefunden hat, wie man sich dorthin - in Anführungszeichen - zwingen kann."