Parole: Ab sofort wird nur noch trainiert

Das Team ist wieder komplett. Seit gestern, 17 Uhr, ist im Lager der deutschen Nationalmannschaft Schluß mit lustig.

Das Team ist wieder komplett. Seit gestern, 17 Uhr, ist im Lager der deutschen Nationalmannschaft Schluß mit lustig. Heißt: Die Stunden der Familienausflüge, Biergarten-Runden, Cabrio-Touren und Stadtbummel sind vorbei, Jürgen Klinsmann eicht unsere Jungs ganz auf das Spiel am Dienstag im Olympiastadion gegen Ecuador. Torwart Jens Lehmann stellte seine Spritzigkeit schon einmal unter Beweis - Freitag abend kurz nach 23 Uhr auf dem Kurfürstendamm. Ein Fotograf hatte den Torhüter der Nationalmannschaft am Hotel "Louisa's Place" zusammen mit Ehefrau Conny abgelichtet.

Lehmanns Reaktion auf das Blitzlicht: Der Fußballer setzte ziemlich kraftvoll und ziemlich sauer zu einem Spontan-Spurt in Richtung Fotograf an - dessen Auto letztendlich schneller war. Wer weiß, was da sonst noch gespielt worden wäre ...

Lehmann ist, wie sein Auftritt gezeigt hat, jedenfalls in bester Form. Gestern vormittag fuhr er um 11.10 Uhr gut gelaunt kurz ins Schlosshotel, um sich umzuziehen, eine Viertelstunde später saß er schon wieder in seinem schwarzen Porsche-Edel-Jeep mit Stuttgarter Kennzeichen.

Vor dem Hotel-Tor - wie in den Tagen zuvor - Fans, die sich diesmal von Gerald Asamoah , Tim Borowski , Christoph Metzelder und Sebastian Kehl Autogramme geben ließen. Im "Borchardt" hatte am Abend zuvor Eisprinzessin Katarina Witt mit Freunden über Fußball gefachsimpelt, u. a. mit dem Orthopäden Uwe Kestner . Ersatz-Torwart Timo Hildebrand ließ es sich im Club "Felix" gutgehen. Und im "90 Grad" hatte man sich sogar erzählt, daß einige der Fußballer noch kommen würden. Das Gerücht nahm um ein Uhr morgens Gestalt an, allerdings die von Musikproduzent Dieter Bohlen , der "echt" keine Lust hatte, über die WM-Kickereien zu plaudern.

Für einen wie Bohlen ist Ball eben nicht gleich Ball, so wie Brot nicht gleich Brot ist. Kleines, kulinarisches WM-Geheimnis: Unseren Jungs wird in ihrem Quartier hannoversches Brot aufgetischt. Bäcker Jochen Gaues (Kunden: das Hotel "Adlon" von Thomas Klippstein , Horst Köhler und sein Bundespräsidialamt sowie die Restaurants von TV-Köchin Sarah Wiener ) liefert seine Köstlichkeiten vier Mal pro Woche ins Schlosshotel. "Bisher gibt es keine Sonderwünsche der Nationalmannschaft, wir liefern alle Brote", sagt Gaues. Dazu gehören: neun Kilo schweres Ochsenbrot, Gersterbrot, Ciabatta und Kohl-Speck-Brot.

Dem Bäckersohn Klinsmann, der einst selbst eine Lehre als Bäcker und Konditor im elterlichen Betrieb in Stuttgart absolviert hatte (Gesellenprüfung: Note zwei), sei er noch nicht begegnet, so Gaues, und Tickets für ein WM-Spiel habe er bislang auch keine - obwohl Gaues, wie er selbst sagt, "den ganzen Tag mit Deutschland-Shirt und -Mütze" herumläuft.

Anja Popovic