Film

"Das war einer meiner wunderbarsten Tage"

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Sandra Basan

Sie redet wie Gretel Bergmann. Sie springt wie Gretel Bergmann. Sie ist Gretel Bergmann. Zumindest auf der Leinwand. Im Film "Berlin 36 " schlüpft die Schauspielerin Karoline Herfurth in die Haut der ehemals besten Hochspringerin der Welt, die 1936 nicht an den Olympischen Spielen teilnehmen durfte, weil sie Jüdin war.

Zur Deutschlandpremiere in Berlin vor drei Wochen konnte die 95-Jährige, die heute Margaret Bergmann-Lambert heißt, nicht aus New York anreisen. Sie wollte ihren 98 Jahre alten Mann Bruno nicht alleine lassen. Nur über das Telefon nahm die alte Dame den tosenden Beifall des Publikums entgegen. Als Produzent Gerhard Schmidt am Potsdamer Platz das Handy in die Luft hielt, flossen im fernen Queens die Tränen. Jetzt holte Margaret Bergmann-Lambert die Vergangenheit erneut und ganz direkt in Person von Karoline Herfurth ein. Für ein gemeinsames Fotoshooting mit Fotograf Bruce Weber anlässlich des morgigen Filmstarts standen sich die beiden Frauen am Empfang eines New Yorker Studios plötzlich gegenüber. Es war für beide ein ganz besonderer Moment. Karoline Herfurth sprachlos. Margaret Bergmann-Lambert lud die junge Deutsche am nächsten Tag zu sich nach Hause ein. Dort redeten sie über den Film, die Geschichte, über Schuldgefühle und Freundschaft.

"Ich würde sagen, das war einer der wunderbarsten Tage den ich seit sehr langer Zeit hatte", sagt die 95-Jährige über den Nachmittag. "Karoline ist eine tolle junge Frau und sie macht einen großartigen Job im Film. Auch ihre Hochsprungleistung ist unglaublich. Karoline erzählte mir, dass sie mein Buch wieder und wieder gelesen hat zur Vorbereitung. Sie hat sich der Geschichte auf eine so intelligente Weise angenähert, dass ich einfach nur baff bin", so Gretel Bergmann-Lambert. Herfurth hatte sechs Wochen lang mit Leichtathlet Klaus Beer trainiert, der 1968 Olympisches Silber im Weitsprung gewann. So sicher sie vor der Kamera agierte, so unsicher fühlte sich die Schauspielerin nun im wahren Leben: "Ich hatte das Gefühl, eine Last auf meinen Schultern zu tragen, aus Deutschland hierher zu kommen, einem Land, aus dem Margaret fliehen musste und dessen Sprache sie nicht mehr spricht. Und dann kommt man zu ihr, hat einen Film über ihr Leben gemacht, das ist so eine Dimension von Wirklichkeit, die kann man gar nicht beschreiben! Ich werde erst einmal etwas Zeit brauchen, um zu verstehen, was da passiert ist."

Karoline Herfurth will Margaret Bergmann-Lambert vom Kinostart berichten und von der Reaktion der Menschen auf den Film. Und da sich die 95-Jährige schon vor 15 Jahren einen Computer angeschafft hat, kann sie das ganz bequem per E-Mail tun.